Bericht zum Spaziergang durch die Prientaler Geschichte mit anschließendem Grillabend

Der Heimat und Geschichtsverein Aschau hatte zu einem Spaziergang durch die Prientaler Geschichte nach Höhenberg eingeladen. Herr Dr. Feldmann freute sich, mehr als 70 Teilenehmer begrüßen zu dürfen. Es standen zwei Punkte auf dem Programm, nämlich

  • die Geschichte des Geigerhofes, seit 1929 Heimat der Familie Aringer, und
  • eine "Exkursion" in die Vor- und Frühgeschichte des Prientales anhand von Funden von Sebastian Aringer

phoca thumb l neu-dsc00242 Elisabeth Aringer befasst sich schon lange mit der Geschichte ihres Hofes, sie hält auch Führungen zu diesem Thema ("Römerfund und Feuersbrunst") im Rahmen des "Bavarian Walking" mit Bauernland und Bauersleut, einer Gruppe von sechs Bäuerinnen deren besonderes Anliegen es ist, uns die Kulturgeschichte ihrer Höfe in allen Facetten näher zu bringen.

1550 ist Jakob Geyer als erster Besitzer erwähnt, das Besitzrecht war Leibgeding, der Grundherr das Kloster Herrenchiemsee
1630 wird der Hof an Martha Geiger übergeben, "Geigerhof" ist bis heute der Hausname
1835 heiratet Joseph Scheck in den Hof ein
1889 brennt das Anwesen nieder und wird
1892 neu aufgebaut
1904 kommen ein Wasch- und Backhaus dazu
1909 Erweiterung der Witschaftsgebäude
1915 erneuter Brand mit Vernichtung der Wirtschaftsgebäude
1924 Bau einer Almhütte ("Geigeralm" unterhalb von Umrathshausen)
1925 - 1929 wechselnde Eigentümer
1929 kauft Georg Aringer, der Großvater des heutigen Eigentümers Sebastian Aringer, im Alter von 23 Jahren den Hof
1930 brennen der Stall und der Stadel ab
1995 - 1938 Öffnung einer Kiesgrube nördlich von Höhenberg. Der Kies wurde mir Loren direkt an die Baustelle der Autobahn München Salzburg gebracht.
1995 Übergabe an den heutigen Eigentümer Sebastian Aringer.

Frau Aringers Darstellung beschränkte sich aber nicht auf die Chronologie und das Aufzählen von historischen Daten, vielmehr war ihr Vortrag reich "garniert" mit Geschichten und "Geschichtchen" aus dem täglichen Hofleben. Auch hier begann der Vortrag durch zahlreiche Beiträge und Wortmeldungen einiger Teilnehmer zu leben, die das eine oder andere Mitglied der Familie Aringer gekannt haben, oder die in ihrer eigenen Familie ähnliches erlebt haben. So begann man in den Dreissigerjahren Zimmer zu vermieten. In der Familie Aringer war es üblich, auch "auszukochen", also Zimmer mit Vollpension anzubieten. Das bedeutete für die Bäuerin einen ungeheueren Arbeitsaufwand, musste sie doch neben ihrem ohnehin schon ausgefüllten Leben auch noch die Gäste bekochen. Hier waren natürlich auch die Kinder gefragt, die zu den einfacheren Tätigkeiten, wie Schuhe putzen, Verteilen des warmen Wassers oder Ausleeren des "Potschamperls" eingespannt wurden.

Zum heutigen Geigerhof gehören 13 ha Land. Man betreibt Landwirtschaft im Nebenerwerb. Sollten jedoch irgendwann die Zuschüsse und Subventionen ausbleiben, so ist ein Ende der Landwirtschaft absehbar.

phoca thumb l dsc00257Sebastian Aringer ist passionierter Sondengänger. Er kam eher zufällig zu seiner Passion. Sein Sohn bekam vor einigen Jahren ein Metallsuchgerät geschenkt, und als dieser sich nicht sonderlich dafür interessierte, pobierte er es einfach einmal aus und fand auf Anhieb eine alte Fibel. Dann ließ es ihn nicht mehr los. Neben alltäglichen Gegenständen aus vielen Jahrhunderten stieß er auch auf Gegenstände aus vorgeschichtlicher Zeit. Sein großes Verdienst ist es, dass er überaus verantwortungsvoll mit diesen Funden umging und sofort Archäologen einschaltete, die die Funde - auch unter Mitwirkung des Heimat- und Geschichtsvereins - wissenschaftlich aufarbeiteten. So entstand eine umfangreiche Sammlung, die Sebastian Aringer in einem kleinen und liebevoll gestalteten Museum der Öffentlichkeit präsentiert. Der Heimat- und Geschichtsverein hat Frau Dr. Nagler-Zanier beauftragt, die Funde auszuwerten, das Ergebnis soll in einer Broschüre veröffentlicht werden. Herr Dr. Zanier und Frau Dr. Nagler-Zanier standen während des Abends für Fragen zur Verfügung.

Nach so viel Geschichte kam das leibliche Wohl zu seinem Recht, und alle Beteiligten konnten sich bei Grilladen vom "Metzger Toni" stärken. Dabei ergab sich natürlich auch die Gelegenheit, das eben Gesehene im Gespräch zu vertiefen, oder einfach nur so zu "ratschen". Alles in Allem eine gelungene Veranstaltung, bei der sich Geschichte und Geselligkeit perfekt ergänzten.

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