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Bericht zum Silvesterkonzert 2011

Silvesterkonzert-2011Matschwetter, ach was! 400 Glückstrahlende drängten nach dem Jahresschlussgottesdienst in Aschaus heiligen Barockraum. Zu eng war im vierzehnten Jahr des Traditionskonzertes die Empore, wo einst „Emporenstürmer" begeisterten. Das von Johannes Berger und Hansjörg Schellenberger ausgewählte Kammerorchester aus befreundeten Musikerinnen und Musikern nahm im Altarraum Platz, insgesamt sechzehn, Münchner, Salzburger, Asiaten, Audorfer, Sachranger, Kölner, Berliner. Pfarrer Johannes Palus pries die Nähe von Kunst, Geschichte und Bindung zu Gott.

Zart entfacht von den Streichern, übernommen von den Oboen und den drei Trompeten, be-kräftigt durch die Pauken, solistisch wiederholt von Viola und Cello (vorzüglich Nanako Tsuji und Paul Rahn) wuchs Johann Sebastian Bachs Sinfonia aus der Kantate „Wir danken Dir, Gott" zum mitreißenden Freudenschall empor. Johannes Berger dirigierte. Historischen Bezug zu Hohenaschau enthielt das folgende Concerto in C-Dur für Oboe und Streicher von Dall'Abaco. Der Veroneser Evaristo Felice Dall'Abaco war Konzertmeister am kurfürstlichen Hof zu München unter Obrist-Hofmeister Maximilian II. von Hohenaschau. In zwei wehkla-genden „Grave" des Concerto für Oboe und Streicher sind die bitteren elf Jahre des Brüsseler Exils zusammen mit Kurfürst Max Emanuel zu entdecken und französische Musik im höfi-schen Rondeau, aufgeschnappt bei einem heiteren Umweg über Versailles. Barbara Stegemann bot den gegensätzlichen Oboenpart den Stimmungslagen entsprechend und hingebungsvoll in Begleitung des Orchesters und dem Dirigat von Hansjörg Schellenberger. Das Stück ist neu entdeckte bairische Barockmusik erster Güte. Italienische Einflüsse von Vivaldi bis Tartini aus sieben Jahren Italienstudium war von dem zu Unrecht fast vergessenen badischen Hofkapellmeister Johann Melchior Molter zu hören. Vorzüglich ausgeführt war das dreisätzige Concerto in schmetternden Zungenstößen für zwei Trompeten und mit leichthändigem Spiel droben an der großen Pemmer-Orgel 2000. Johannes Berger blieb auf der Orgelbank und gab beim Verbund zweier Großmeister des musikalischen Barock, im Vivace des Concerto d-moll von Antonio Vivaldi in der Bearbeitung seines Bewunderers Johann Sebastian Bach Kostproben phänomenalen Könnens feingewebter Orgelkunst in atemberaubenden Tempi. Beim folgenden Telemann-Trio zuckten die Köpfe, der wiederhallende Oboenklang kam tatsächlich aus der Sakristei. Welch netter Regieeinfall bei der Zwiesprache der zweier Oboen, begleitet von Cembalo und Kontrabass! Dann öffneten sich die Tore zum ersten Finale. Man stimmte neu vor dem Opus 4 Nr. 2 der zwanzig Orgelkonzerte Händels, dem Lieblingswerk der Zeitgenossen. Pathetisch-getragen hebt es an. Reizvolle Orchesterzwischenspiele bejahen die thematischen Vorgaben des Solisten. Händel setzte praktische Vorgaben mit dem Wechsel Piano-Forte, den ekstatischen Wiederholungen eingängiger Melodien, ließRaum für freie Orgelimprovisation und tänzerische Volksmusik. Werkgetreu benutzte Johannes Berger das Orgelpositiv unter der Kanzel, denn wenige englische Kirchen verfügten über Pedale. Das zweite Finale, Bachs populäre Orchestersuite Nr. 3 gab sinnigerweise mit der „Ouvertüre" wie ein Schlüsselloch den Blick frei aufs Jahr 2012 und entlud prasselnden, lang anhaltenden Beifall.

pdf Bericht zum Silvesterkonzert am 31.12.2011, OVB 4. Januar 2012 (244 KB)