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Bericht zum Februarstammtisch 6.2.2012, "Die Tagebücher des Johann Maximilian IV von Preysing"

Stefan PongrazHerr Dr. Feldmann begrüßte den Referenten Herrn Dr. Stefan Pongraz. Herr Dr. Prongraz studierte an der LMU München unter anderem bayerische Geschichte, wo er auch 2010 promovierte zum Thema „Tagebuch eines adeligen Fürstendieners. Die Schreibkalender des Grafen Johann Maximilian IV. Emanuel von Preysing-Hohenaschau (1687-1764)" (Abstract). Hierfür erhielt er auch im Jahr 2011 den Michael-Döberl-Preis der Gesellschaft der Münchner Landeshistoriker.

Herr Dr. Pongraz schilderte zunächst die Herkunft und die Jugend von Johann Maximilian. Dieser legte 1704 sein Abitur am renommierten Wilhelmsgymnasium  der Jesuiten in München ab. Danach begab er sich zunächst - wie in diesen Kreisen üblich - auf eine „Kavalierstour", bevor er 1706 sein Studium an der Universität Ingolstadt aufnahm. Dort erhielt er eine breit gefächerte Ausbildung. Nach dem Abschluss 1710 trat er bereits 1711 eine Stelle als Hofrat an, 1715 wurde er Kämmerer am kurfürstlichen Hof, 1719 Geheimer Rat.

Weitere Stationen seines Lebens waren unter anderem

  • Oberststallmeister
  • Finanzminister (auch zu damaligen Zeiten ein "Himmelfahrtskommando", da Kurfürst Max Emmanuel einen Schuldenberg von 27 Millionen Gulden hinterließ)
  • Berufung in die „Geheime Konferenz"
  • Obersthofmeister und damit höchster Beamter und verantwortlich für die Außenpolitik

Am 12.5.1764 starb Johann Maximilian IV. Emmanuel von Preysing während der Arbeit.preysing

Von ihm sind 38 Schreibkalender überliefert (1717 - 63) (siehe Bayerische Landesbibliothek), in denen er zum Teil ausführlich über sein Leben und Begebenheiten aus dem privaten Bereich berichtet. Der Kalender ist zweigeteilt, auf der rechten Seite im Kalendarium befinden sich kleine Notizen, auf der Linken (freien) Seite z. T. ausführliche Schilderungen des täglichen, gräflichen Lebens. Stellungnahmen zu politischen Gegebenheiten fehlen jedoch. So berichtet er über seine Reisen, über die Jagd oder über kulturelle Ereignisse, wie Opern, Schauspiel und Konzerte. Gerade letzteres macht seine Tagebücher auch zur wichtigen Quelle in diesem Bereich. 1720 heiratete er das erste Mal, seine Frau starb jedoch bereits 1721 während der Schwangerschaft. Seine zweite Ehe mit Maria Theresia von Fugger war nicht weniger tragisch, da diese bereits bald nach der Eheschließung an einer, wie er in seinen Tagebüchern schreibt, „Besessenheit" litt. Johann Maximilian lebte hauptsächlich in München in dem heute noch existierenden „Preysing Palais", in Aschau hielt er sich anlässlich turnusmäßiger Rundreisen zu seinen Besitztümern maximal zwei Wochen im Jahr auf. Seinem Landesherrn war er ein unentbehrlicher Helfer. Im Jahre 1735 stürzte Johann Maximilian während einer Jagd vom Pferd und blieb bewusstlos liegen. Aus Dankbarkeit über die Genesung seines Obersthofmeisters ließ Kurfürst Karl Albrecht zu Ehren der Muttergottes an dieser Stelle die Preysingsäule errichten (siehe auch Preysingsäule)

Johann Maximilian wandte sich in seinen letzten Lebensjahren ganz der Kirche zu und mied auch mehr und mehr die weltlichen Zerstreuungen. In seinen Tagebüchern führte er akribisch Buch über seine Messbesuche und die abgelegten Beichten. So ist zu lesen, dass er in der Woche vom 2.-8.4.1758 insgesamt 14 mal die Messe besucht und einmal die Beichte abgelegt hat.