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Fahrt nach Hohenschwangau, Schongau und Altenstadt

Am 3. August 2012 unternahm der Heimat- und Geschichtsverein einen Ausflug nach Hohenschwangau, Schongau und Altenstadt. Der Bus war mit 40 Teilnehmern gut besetzt, und so starteten wir pünktlich um 8:00 Uhr am Hans-Clarin-Platz in Aschau.

Erstes Ziel war das "Museum der bayerischen Könige" in Hohenschwangau. Der Trubel, der uns am Parkplatz in Hohenschwangau erwartete ließ nichts Gutes ahnen, Gott sei unbegründet, da die an den Ticketschaltern anstehenden Besuchermassen sich nahezu ausschließlich für die Hauptattraktionen, nämlich die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein interessierten. So konnten wir entspannt unsere Führung durch das Museum genießen.

phoca thumb l 02-am-empfangDas "Museum der bayerischen Könige" wurde 2011 eröffnet. Es ist der Geschichte der Wittelsbacher von den Anfängen, der Belehnung der Wittelsbacher mit Bayern im Jahre 1180 durch Friedrich Barbarossa, bis zu ihrer Rolle in der heutigen Zeit gewidmet. Der Schwerpunkt allerdings liegt auf der Darstellung das Königsreichs Bayern von 1806 bis 1918. Ebenso wird die Rolle der Wittelsbacher im Dritten Reich aufgearbeitet, ein Thema, das in der Vergangenheit bislang wenig Beachtung gefunden hat. Das Museum selbst ist im ehemaligen Grandhotel Alpenrose am Alpsee eingerichtet. Für die neu errichteten Stahlkonstruktionen zur Überdachung des ehemaligen Speisesaals und zweier Seitengalerien erhielten die Architekten im Jahr 2012 den renommierten "Preis des Deutschen Stahlbaues". Der Bauherr und Hausherr ist der Wittelsbacher Ausgleichsfond, der auch den Großteil der Exponate zur Verfügung gestellt hat.

phoca thumb l 04-begehbarer-stammbaumDie Führung beginnt mit dem "begehbaren Stammbaum", in dem unter dem Motto "Ein Haus und viele Linien" das weitverzweigte Haus Wittelsbach dargestellt wird. Der "Saal der Königsschlösser" ist der Bautätigkeit von Maximilian I. und Ludwig II. gewidmet. Im "Saal der Könige" kann man noch einmal die bayerischen Könige Revue passieren lassen, bevor in den weiteren Sälen die Könige als Bauherren und Förderer der Kunst thematisiert werden. Neben anderen hochwertigen Exponaten konnten das "König-Ludwig-Album", bewundern, das Ludwig I. als Dank für seine Förderung der Künste nach seiner Abdankung während der Feierlichkeiten bei der Enthüllung der Bavaria am 9. Oktober 1850 überreicht wurde. Es enthält Arbeiten von zahlreichen Künstlern, die in Reproduktionen weite Verbreitung fanden. Auch das berühmte "Wittelsbacher Album" ist in einem Ausschnitt in einer Installation zu sehen. Dieses enthält Aquarelle der klassizistischen Hofgartenzimmer und diente nach der Zerstörung der Residenz im zweiten Weltkrieg als wichtige Quelle zur Restaurierung. Die bayerischen Könige und besonders Prinzregent Luitpold begleiteten phoca thumb l 21-irmingard-selbstbildnisden Weg in die neue, technisierte Zeit und förderten durch ihr Engagement diesen Umbruch. Selbstverständlich wird auch dem "Mythos Ludwig II" Raum gegeben, Versuche jedoch, diesen Mythos zu entschlüsseln unterbleiben, und so bleiben nur die Bilder des schönen Königs und seine Träume in Form seines prächtigen Mantels zurück. Der folgende Saal ist der goldenen Hochzeit von Ludwig III. und seiner Frau Marie-Therese im Jahr 1918 gewidmet. Das Service aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur (328 Stücke) ist mit dem "Perlendekor" verziert (das nur dem Monarchen vorbehalten war), und zeigt auf jedem Stück ein anderes Bild Wittelsbacher Besitzungen. Die bayerische Monarchie endete 1918. König Ludwig III. entband alle Beamten und Offiziere von ihrem Treueeid, verzichtete aber nie auf den bayerischen Thron. 1921, nach dem Tod Ludwigs III. wird Kronprinz Rupprecht Chef des Hauses Wittelsbach. Er war erklärter Gegner der Nationalsozialisten, 1939 geht er ins italienische Exil, 1945 wird seine Familie in Sippenhaft genommen und in verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Prinzessin Irmingard von Bayern, eine Tochter Kronprinz Ruprechts, verarbeitet ihre traumatischen Erlebnisse in zahlreichen Bildern sowie in ihrem Buch "Jugend-Erinnerung. 1923-1950".

Interessant ist auch ein kleiner Exkurs in zu den heutigen Vermögens- und Besitzverhältnissen: so ist der bayerische Staat heute Eigentümer der Residenz, der Schlösser Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein, sowie der Jagdhütten der Wittelsbacher. Der Wittelsbacher Ausgleichsfond ist Eigentümer der Schlösser Berchtesgaden, Hohenschwangau, Berg und Grünau sowie der Arco-Häuser in München. Die Kunstschätze, die Kronprinz Rupprecht zu öffentlichem Gebrauch übertragen hat sind u.a. ausgestellt in der Glyptothek, den bayerischen Staatsgemäldesammlungen und im Völkerkundemuseum. Das geheime Hausarchiv wird von der bayerischen Staatsbibliothek verwaltet, die Nutzung ist jedoch an die Zustimmung des Chefs des Hauses Wittelsbach gebunden. Die Kunstschätze, die vor 1804 erworben wurden, sind im Eigentum der Wittelsbacher Stiftung für Kunst und Wissenschaft und werden verwahrt, bzw. ausgestellt in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der Bayerischen Schlösserverwaltung, dem Nationalmuseum, der staatlichen Münzsammlung und der Bayerischen Staatsbibliothek.

Neben den zahlreichen und wertvollen Exponaten hinterließ auch die moderne, teilweise interaktive Präsentation und die beeindruckende Architektur einen bleibenden Eindruck.

Nach einer Busfahrt von ca. 30 Minuten, vorbei an einer Besucherschlange (gefühlte 500m) vor den Ticketschaltern in Hohenschwangau, erreichten wir Schongau, wo wir zunächst etwas freie Zeit zum Mittagessen hatten. Um 15:30 Uhr trafen wir uns alle wieder am historischen Rathaus, um an der Führung durch Schongaus Altstadt teilzunehmen.

phoca thumb l 03-stadtmauerDie Stadt Schongau befand sich ursprünglich auf dem Gebiet des heutigen Altenstadt, erst im 13. Jhdt. zog der größte Teil der Bewohner in das Gebiet des heutigen Schongau auf den "Lechumlaufberg", eine Erhebung, die von nahezu allen Seiten vom Lech umflossen war, und die sich leichter verteidigen ließ. Den Namen der Stadt nahm man mit. Schongau war im Mittelalter ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, lag es doch an der Kreuzung der Salzstraße von Reichenhall ins Allgäu und der Straße von Verona nach Augsburg und Nürnberg, der ehemaligen Via Claudia-Augusta. Die Altstadt ist vollständig von einer Stadtmauer aus dem 14. Jhdt. umgeben.

Unsere Führung führte uns durch die Weinstraße hin zur Stadtmauer, die wir bestiegen und der wir in einem Wehrgang folgten, vorbei am städtischen Altenheim, bis zum ehemaligen Kloster der "Unbeschuhten Karmeliten". Im Klosterhof, der in der heutigen Zeit auch für Konzerte genutzt wird, konnten wir einphoca thumb l 06-kreuz-1 wunderschönes Kreuz bewundern, das seit 1996 hier aufgestellt ist. Es zeigt den gekreuzigten Christus in einer sehr naturalistischen und anatomisch "korrekten" Form, eine Darstellung, die man sehr selten sieht. Die Heilig Geist Kirche konnten wir wegen einer Baustelle (Holzwurm!) nicht besichtigen. Das "Ballenhaus" war früher die Schranne und Hauptumschlags- und Lagerplatz für die durch Schongau transportierten Waren. Im Obergeschoß befand sich die Stadtverwaltung. Der Ratssaal mit der aus Zirbenholz gefertigten Verkleidung ist noch ausgezeichnet erhalten. Die nächste Station des Rundganges war der "Polizeidienerturm". Das hier befindliche Tor wurde früher als letztes geschlossen. Unser Weg führte uns weiter an der südlichen Stadtmauer entlang zum "Marientor", so genannt wegen der in die Stadtmauer eingelassenen Marienfigur. Durch dieses Tor wurde früher auch das Vieh zur Weide getrieben. Die letzte Station war die Kirche "Mariae Himmelfahrt" im Zentrum von Schongau, die mit Fresken von Matthäus Günther (1705 - 1788) ausgestattet ist. Interessant sind auch die Zunftstangen, die unter Federführung des Heimatvereins Schongau restauriert wurden.

phoca thumb l 01-kreuzIn Altenstadt, dem ehemaligen Schongau, steht die romanische Basilika St. Michael aus dem beginnenden 13. Jhdt. Sie ist der einzige durchgewölbte Sakralbau der Spätromanik in Bayern. Das bekannteste Kunstwerk dieser Basilika ist der "Große Gott von Altenstadt", ein monumentales, 3,20 m hohes Holzkreuz aus dem 13. Jhdt., das den Gekreuzigten als Christkönig zeigt. Und so lag es nahe, vor der Heimfahrt einen kurzen Abstecher nach Altenstadt zu machen, um dieser schönen Kirche einen Besuch abzustatten.

Nach einer zweistündigen Busfahrt erreichten wir wieder Aschau um ca. 20:00 Uhr, müde und voll der Eindrücke unseres schönen Ausfluges.

Die Fotos finden Sie hier
Link zum Museum der bayrischen Könige