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Bericht zum Besuch der Landesausstellung 2012

phoca thumb l logo-2Am 14. September 2012 besuchte der HGV die Landesausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte "Verbündet Verfeindet Verschwägert, Bayern und Österreich", die in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesland Oberösterreich an den Standorten Burghausen, Braunau (Ranshofen) und Mattighofen ausgerichtet wurde. Das gemeinsame Anliegen war es, die geschichtlichen und kulturellen Verflechtungen der beiden Länder vom frühen Mittelalter bis zum Ende der napoleonischen Kriege zu beleuchten.

Die Ausstellungen waren von der Thematik und den Exponaten klar zeitlich gegliedert. In Burghausen wurde die Epoche vom 8. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert dargestellt. Die Zeit vom 15. Jahrhundert bis Ende des 18. Jahrhunderts war das Thema der Ausstellung in Braunau (Ranshofen), die Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Wiener Kongress behandelt.

phoca thumb l dsc00806Nach einer Fahrt von ca. 90 Minuten erreichten wir Burghausen und konnten gemütlich durch das sonnenbeschiene Burggelände ("längste Burg Europas") zum Treffpunkt marschieren, wo wir bereits von unseren Führern erwartet wurden. Einer davon war Herr Fochem, der ja einige Zeit in Aschau gewohnt hat, und der den meisten von uns von seiner Führungstätigkeit in Aschau noch in Erinnerung ist. Die Ausstellung selbst war sehr eindrucksvoll, was zum Einen natürlich an der Lokation, der Burganlage selbst, aber natürlich auch an den hochwertigen Exponaten lag. Herr Fochem wurde nicht müde, uns auf die "kulturhistorisch sehr wertvollen" Stücke hinzuweisen. So konnten wir u.a. einen Goldkrug aus der Awarenzeit, eine Replik des berühmten Tassilokelchs und zahlreiche Urkunden ("Austria Urkunde", Privilegium Majus) bewundern, anhand derer sehr gut klar wurde, wie sich die beiden Länder, zunächst noch im Herzogtum Bayern vereint, jedoch ab 1156 politisch von einander unabhängig entwickelt haben. Unter der Herrschaft der Habsburger, die ja lange Zeit den deutschen Kaiser gestellt haben, wurde dann Bayern sogar politisch überflügelt, wobei es allerdings unter Rudolf IV. von Habsburg einer Urkundenfälschung (Priviligium Majus) bedurfte. Sehr schön war auch der Blick von der Burg auf das benachbarte Österreich oder den Wöhrsee, der als Badesee dient.

Weiterführende Links zur Ausstellung in Burghausen:

Haus der bayerischen Geschichte
Fotostrecke (Bilder teilweise © Haus der bayerischen Geschichte)

kloster-ranshofen-c-flying-pictures-c-berghammer-1dDanach hatten wir Gelegenheit, uns in Braunau beim Mittagessen ein bisschen zu erholen, bevor wir zur zweiten Etappe im Kloster Ranshofen starteten. Ranshofen wurde im 8. Jhdt. erstmals als herzogliche Pfalz erwähnt, Karl der Große erhob es zur Kaiserpfalz, bevor Ranshofen 1125 zum Augustiner Chorherrenstift wurde. 1810 kam das Innviertel wieder zu Bayern, 1811 wurde Ranshofen auf Anordnung des Grafen Montgelas aufgelöst und profanisiert. Ferdinant Wertheimer erwarb Ranshofen 1851, die Erben waren 1938 gezwungen den Besitz zu einem Spottpreis zu verkaufen, um ihre Auswanderung in die USA zu ermöglichen. Ranshofen wurde in Vorbereitung auf die Landesausstellung generalsaniert, in den Räumlichkeiten wird nach der Ausstellung eine Musikschule untergebracht werden. In Ranshofen wird die Zeit ab dem Ende des 17. Jhdt. bis zum Ende des 18. Jhdt. behandelt. Insbesondere geht es um die barocke Kunst und Kultur, um das adelige Leben und die damit verbundenen Zerstreuungen und die kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Zeit. So ist ein Teil der Ausstellung den Türkenkriegen gewidmet. Kaiser Leopold war nach Passau geflüchtet, als die Türken im Jahr 1683 unter ihrem Anführer Kara Mustafa Wien belagerten. So war er gezwungen einen Beistandspakt mit Polen zu schließen, den bayerischen Kurfürsten Max Emanuel II (den blauen Kurfürsten) konnte er ebenfalls gegen Zahlung einer größeren Geldsumme unter Vertrag nehmen. Nach der Vertreibung der Türken heiratete Max Emanuel eine Tochter des Kaisers, zusätzlich wurde er zum Dank zum Statthalter der spanischen Niederlande ernannt. In spanischen Erbfolgekrieg (1702 - 1712) schlug sich Bayern auf die Seite Frankreichs, und derselbe Max Emanuel wurde in der Schlacht bei Höchstädt von den Österreichern geschlagen. Die Repressalien in der Folge im Zuge der Besetzung Bayerns durch die Österreicher führten letztlich zur Sendlinger Mordweihnacht, in der ingesamt ca. 3.000 Mann den Tod fanden.

Weiterführende Links zur Ausstellung in Ranshofen:

Offizielle Seite der Landesausstellung in Braunau
Fotostrecke (Bilder teilweise © Landesausstellung)

Nach der ca. 15 minütigen Fahrt nach Mattighofen war etwas Zeit, um einen kurzen Kaffee zu trinken, bevor wir den dritten und letzten Teil der Ausstellung in Angriff nahmen.

phoca thumb l pia-5972-b2Die Themen dieser Ausstellung sind in die Zeit der Koalitionskriege (1792 - 1815) einzuordnen. Damit werden die Kriege zwischen Frankreich und den (wechselnden) Allianzen anderer europäischer Staten bezeichnet. Jeder der Kriege endete mit einer neuen Aufteilung der Einflussbereiche und Herrschaftsgebiete. Dieser Sachverhalt wurde u.a. in einer Präsentation thematisiert, in der diese Verschiebungen der territorialen und politischen Grenzen eindrucksvoll dargestellt wurde. Die Hauptprotaganisten dieser Zeit, soweit es Österreich und Bayern betrifft, waren neben Napoleon die bayerischen Kurfürsten Karl Theodor und Maximilian Josef, der spätere König Max I., sowie Kaiser Franz II., der nach der Niederlegung der deutschen Kaiserkrone als österreichischer Kaiser Franz I. weiterregiert. Im ersten Koalitionskrieg gelingt es Frankreich, bis an den Rhein vorzudringen. Nach dem zweiten Koalitionskrieg konnte Napoleon seine Stellung weiter festigen und krönte sich 1804 zum Kaiser. Im dritten Koalitionskrieg verbündete sich Bayern mit Frankreich und kämpfte zusammen mit Württemberg und Baden gegen die Allianz Großbritanien, Österreich, Russland und Schweden. Das Ende dieses Krieges war zugleich auch das Ende des Heiligen Römischen Reiches. Bayern wird Königreich und erhält Vorarlberg und Tirol. Am Ende des vierten Koalitionskrieges standen gewaltige Gebietsverluste Preussens und der Verlust des Großmachtstatus. Bayern erhielt das Herzogtum Ansbach. Am Ende des fünften Koalitionskrieges, der zwischen Allianz Napoleon/Rheinbund und Österreich geführt wurde, stand eine Abtretung des Innviertels an Bayern. Nach dem Russlandfeldzug Napoleons (von 30.000 Bayern kehren 68 in die Heimat zurück) und den Befreiungskriegen ist die Herrschaft Napoleons beendet und die Verhältnisse werden im Wiener Kongress neu geordnet.

Weiterführende Links zur Ausstellung in Mattighofen:

Offizielle Seite der Landesausstellung in Mattighofen
Fotostrecke (Bilder teilweise © Landesausstellung)

Die Thematik ist in der Ausstellung eindrucksvoll dargestellt und durch zahlreiche Exponate ausgezeichnet erklärt und untermauert. Unsere Führerin hat durch ihren lebendigen und engagierten Vortrag ein Übriges dazu getan.

Unsere verdiente Brotzeit nahmen wir im Restaurant Badhaus in Mattighofen ein, bevor wir gegen 20:30 unsere Heimfahrt antraten. Es war ein langer und anstrengender Tag, die drei Führungen müssen nun erst einmal verdaut und aufgearbeitet werden, trotzdem - so meine ich - war es ein voller Erfolgt und ich persönlich bin glücklich darüber, dass wir nun schon eine Generation in Frieden und ohne Kriege leben dürfen.