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Im Salzkammergut, da kammer gut...

Salzkammergut... ja, ja auch lustig sein, aber mehr noch: man kann dort auch einen wunderschönen "Bildungstag" verbringen. Aber der Reihe nach. Das Thema des Oktoberausfluges des Heimat- und Geschichtsvereins war ja „Auf den Spuren der Mozart und Pertl", und wenn auch jeder mit dem Namen Mozart etwas anfangen konnte, so war doch der Name Pertl in diesem Zusammenhang nur den wenigsten geläufig. Die Fahrt führte uns nach St. Gilgen am Wolfgangsee, und hier war Mozarts Großmutter Eva Rosina mit dem salzburgischen Pflegekommisarius Wolfgang Nikolaus Pertl seit 1712 verheiratet, der dann jedoch 1724 - unter Hinterlassung eines gewaltigen Schuldenberges - verstarb. Die kleine Anna Maria Walburga Mozart, wie gesagt die Mutter Mozarts, wuchs danach in Salzburg auf, ihre Mutter Eva Rosina war gezwungen, sich dort mit Gelegenheitsarbeiten durchzuschlagen. Anna Maria heiratete 1747 den Komponisten Leopold Mozart, dem sie sieben Kinder gebar, von denen jedoch nur Wolfgang Amadeus und Anna Maria, genannt Nannerl, überlebten. Nannerl heiratete 1784 den 15 Jahre älteren Johann Baptist Reichsfreiherr Berchtold von Sonnenburg, der der Amtsnachfolger ihres Großvaters in St. Gilgen war. Und so schließt sich der Pertl-Mozart-Pertl Kreis wieder in St. Gilgen. Dies vorab, um den Titel der Fahrt zu erklären.

Um ca. 10:30 Uhr erreichten wird St. Gilgen, wo wir von unserem "Führer", Herrn Augustin Kloiber, erwartet wurden. Herr Kloiber ist kein Fremdenführer im eigentlichen Sinn. Er war von 1984 bis 2010 Restaurator für die Heimatmuseen im Salzburger Bildungswerk und er hat sich um die Gründung und Entwicklung des heimatkundlichen Museums und des Ortsarchivs verdient gemacht. Dankenswerterweise hat unser Vorstandmitglied Georg Antretter den Kontakt zu Herrn Kloiber hergestellt.phoca thumb l 02-Gilgen 1 104549

Unser Weg führte uns zunächst zum Mozartplatz wo uns Herr Kloiber anhand der Bemalung des Sparkassengebäudes die wichtigsten Punkte der Geschichte St. Gilgens erläuterte (Glashütte und die Glasträgerinnen, älteste Landbierbrauerei in Lueg, Fischfang, Spitzenklöppelei, Flößerei, Eisentransport und Braunkohlebergbau).

Das Gasthaus "Zur Post", das seit 1415 Taverne ist, hatte zwar Ruhetag, wir durften es trotzdem kurz betreten, um die alte Stube zu besichtigen, in der die Hochzeitsfeier von Nannerl Mozart 1784 und dem Freiherrn von Sonnenburg stattfand. Die Fassade ist mit Jagdszenen geschmückt.

Im Rathaus, an dem das Gemeindewappen (seit 1937 die Sonne der Sonnenburgs) angebracht ist, sind viele Jagdtrophäen zu sehen, Dr. Feldmann durfte für 5 Sekunden im Sitzungssaal am großen Sitzungstisch Platz nehmen.

St. Gilgen war seit 1600 die Hochburg der Salzburger Spitzenklöppelei. Jeder der Spitze herstellte, damit handelte oder sie transportierte musste im Besitz eines Hauses sein. Da der Verdienst, der sich mit der Klöppelei erzielen ließ, natürlich nicht zum Erwerb eines Hauses ausreichte (der Tagesverdienst war in etwa der Gegenwert eines Brotes), taten sich immer mehrere (bis zu vier) Familien zusammen, um ein Haus zu kaufen und dieses gemeinsam zu bewohnen und dort dem Beruf nachzugehen. Drei dieser kleinen Häuser gibt es noch in St. Gilgen zu sehen, in einem davon ist das heimatkundliche Museum untergebracht. Obwohl es sich um zeitgeschichtliche Kostbarkeiten handelt stehen diese Häuser nicht unter Denkmalsschutz.

15-Heimatmuseum 112306Das Haus, in dem das heimatkundliche Museum untergebracht ist, stammt aus dem 17. Jhdt. Es war bis 1972 bewohnt, die letzten Eigentümer waren kinderlos und vermachten es der Gemeinde, unter der Auflage, dass es nicht verkauft oder abgerissen wird. In dem Museum sind zahlreiche Exponate zum örtlichen alten Handwerk, z. B. der Klöppelei oder Fischerei untergebracht, aber auch alte Bücher oder Exponate zur Ischler Eisenbahn. Einen besonderen Brauch erwähnte Herr Kloiber noch: die "God'ndosen". Der Taufpate ("der "God") schenkte dem Kind eine Holzdose, in der im späteren Verlauf das erste Ersparte des Kindes oder die Milchzähne untergebracht wurden, aber auch ein Stück der Nabelschnur, in die man einen Knoten gemacht hatte. Im Alter von fünf oder sechs Jahren musste das Kind dann versuchen, diesen Knoten wieder zu lösen. Gelang es ihm, wenn also "der Knopf aufging", dann durfte es zur Schule gehen, wenn nicht, dann musste es noch ein Jahr warten. Sehr schön auch eine Sonderausstellung des "Birdman" Hans Langner, der alle Gegenstände, derer er auf Trödelmärkten habhaft wird, zu Vögeln formt. "Der Vogel symbolisiert für mich Gott und das Licht", so sagt er.

Nächste Station war die Pfarrkirche von St. Gilgen, die dem Hl. Ägidius geweiht ist, auch der Name St. Gilgen ist von Ägidius abgeleitet. Da er, wie eine der Legenden um ihn sagt, von der Milch einer Hirschkuh gelebt hat, ist eben die Hirschkuh sein Attribut. Die Kirche, ursprünglich als gotische Kirche 1425 erbaut, wurde in den Jahren 1776/1777 von Franz Anton von Sonnenburg über der alten Kirche neu errichtet.

Jeder der Hauptorte am Wolfgangsee hat seinen Heiligen: Strobl den Hl. Sigismund, St. Wolfgang eben den Hl. Wolfgang und St. Gilgen, wie schon erwähnt den Hl. Ägidius. Der Hl. Wolfgang wird immer mit einer Kirche und einem Beil dargestellt. Er lebte 976 zeitweilig als Einsiedler in einer Höhle (ihrerseits eine keltische Kultstätte) am Falkenstein, so sagt die Legende, und beschloss, als er vom Teufel versucht wurde, eine Kirche zu bauen. Dazu warf er - nach altem Keltenbrauch - sein Beil ins Tal und erbaute die Kirche an der Stelle, an der er sein Beil wiederfand. Und so ist St. Wolfgang, nach Rom, Santiago de Compostella und Maria Einsiedeln, der viertwichtigste katholische Wallfahrtsort.

Nannerl Mozart heiratete, wie eingangs schon erwähnt, auf Wunsch ihres Vaters Leopold nicht ihre große Liebe, den Kammerherrn Armand d'Ippold, sondern den Freiherrn von Sonnenburg aus St. Gilgen. Sonnenburg brachte fünf kleine Kinder mit in die Ehe, gemeinsam hatten sie drei Kinder, von denen zwei früh gestorben sind. Der Sohn Leopold wurde in Salzbug geboren und wuchs auch dort bei seinem Großvater Leopold Mozart auf. Obwohl es ihr finanziell gut ging, war sie doch einsam, durch den Briefwechsel mit ihrem Vater ist ihr Leben gut dokumentiert. Da sie in ihrer Kindheit mit ihrem Vater und ihrem Bruder als "Wunderkind" durch die Lande gezogen ist, erfreute sie sich einer gewissen Berühmtheit. So wird berichtet, dass die Franzosen, als sie in St. Gilgen einmarschierten, auf Befehl einen hohen Offiziers von Plünderungen absahen. Diesem Offizier war zu Ohren gekommen, dass die berühmte Schwester des noch berühmteren Wolfgang Amadeus Mozart in St. Gilgen weilte. Nachdem Sonnenburg 1801 gestorben war, zog Nannerl nach Salzburg, wo sie noch 38 Jahre als Witwe lebt. Sie starb im Alter von 78 Jahren und ist am Friedhof von St. Peter in Salzburg begraben.

Nach der Mittagspause folgte der zweite Teil der Führung, nämlich zum Mozarthaus und dann weiter am See an einigen Prominentenvillen vorbei nach Brunnwinkl und Fürberg.

Erste Station war das Haus, in dem Marie von Ebner-Eschenbach ab 1889 10 Jahre die Sommermonate verbracht hat. Sie wurde bekannt durch ihre Kurzgeschichte "Krambambuli", die mehrmals verfilmt wurde, wichtiger aber sind ihre gesellschaftskritischen Romane, wie "Das Gemeindekind" in dem der Beweis angetreten wird, dass auch Kinder aus Problemfamilien den Aufstieg schaffen können. Durch ihren großen - auch finanziellen - Einsatz wurde sie zu einer geachteten Gönnerin in St. Gilgen.

53-Mozarthaus 150518Das Bezirksgericht, die ehemalige Wirkungsstätte von Wolfgang Nikolaus Pertl und dann später von Nannerl von Sonnenburg, gehört seit 2005 dem "Kulturverein Mozarthaus" und wurde 2008 zum Kultur- und Veranstaltungshaus umgebaut. Hier finden Konzerte und Ausstellungen statt, in einem Museum ist eine Dauerausstellung zu Ehren Nannerl Mozarts untergebracht.

Der Weg führte weiter vorbei an dem Haus, in dem Alma Mahler, die Frau Gustav Mahlers, ihre Sommerferien verbracht hat, zur Villa Niemetz ("Schwedenbomben") und zur Villa Billroth. Theodor Billroth war einer der berühmtesten Chirurgen Österreichs, er besaß fünf Häuser in St. Gilgen, die bis auf die Villa alle vermietet waren. Die Villa wurde 1884 nach seinen Plänen erbaut, nach seinem Tod 1894 lebte seine Frau noch bis zu ihrem Tod 1905 darin, danach wurde sie durch den neuen Besitzer Veilchenfeld abgerissen und neu in der heutigen Form wieder aufgebaut. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gehört die Villa dem Roten Kreuz, das es auch seit dieser Zeit als Hotel betreibt.

Weitere Informationen zu Theodor Billroth

Der Weg führte vorbei an dem Haus, in dem Helmut Kohl viele Jahre seinen Sommerurlaub verbracht hat, nach Brunnwinkl, wo 1880 Anton Ritter von Frisch, damals Assistenzart von Theodor Billroth die alte Mühle ersteigert hat. Mit seiner Frau, Maria Exner, hatte er vier Söhne, von denen jeder in Brunnwinkl ein eigenes Haus erhielt. Einer der Söhne, Karl von Frisch, erhielt 1973 zusammen mit Konrad Lorenz den Nobelpreis für Physiologie für seine Forschungen u.a. an Bienen (Entdeckung des "Schwänzeltanzes").

Nach einem schönen Spaziergang entlang des Wolfgangsees, vorbei an einen Gedenktafel für Josef Victor von Scheffel ("Der Trompeter von Säckingen"), erreichten wir unsere "Endstation" Fürberg., wo wir uns mit Kaffee und Kuchen stärkten.

72-Fuerberg 163110Unser Schiff nach St. Gilgen hatte leider etwas Verspätung, und so blieb genug Zeit, um von Herrn Kloiber die Geschichte des "Ochsenkreuzes" und der Landbierbrauerei Lueg am anderen Ufer des Sees zu hören. Ein Metzger in Lueg wollte 1589 einen Ochsen schlachten, der Ochse war aber nicht einverstanden und sprang in Wasser, der Metzger hinterher. Da der Metzger nicht schwimmen konnte, hielt er sich am Schwanz fest und war froh, als der Ochse ihn wohlbehalten bei der "Metzgerinsel" am anderen Ufer wieder absetzte. Zum Dank für seine Rettung stiftete er das "Ochsenkreuz", der Ochse durfte weiterleben. Der Bräugasthof Lueg stand lange Zeit leer, er wird jetzt zum Gesundheitshotel umgebaut. Er geistert aber noch aus einem anderen Grund durch die Presse: er ist der Schauplatz - wir alle haben uns schon gefragt: was ist eigentlich mit dem "Weißen Rössl"? - eine Neuverfilmung des "Weißen Rössl am Wolfgangsee".

Nach einer eindrucksvollen Fahrt über den glatten See, die Abendsonne beleuchtete die Berge, erreichten wir wieder St. Gilgen, wo uns Bruno schon erwartete. Zum Abschied lüftete Herr Kloiber noch ein letztes Geheimnis: war Mozart nun in St. Gilgen oder nicht? Definitiv nicht. Zur Hochzeit von Nannerl konnte oder wollte er nicht (wegen der Differenzen mit seinem Vater?). Danach hat er seinen Besuch mehrmals angekündigt, ihn aber nie realisiert.

Man merkte es Herrn Kloiber an, dass er vollkommen durchdrungen ist von der Geschichte seiner Heimat. So war sein kenntnisreicher und lebendiger Vortrag zu jeder Zeit ein Vergnügen. Vielen Dank.

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