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Die "Polizey Ordnung" der Freyberg und Preysing, Vortrag von Dr. Stefan Breit am 5. November 2012

StefanBreitSeit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts sorgten sich das Reich und die einzelnen Territorien vermehrt um das Gemeinwohl und den sittlichen Zustand des einzelnen Untertanen, sprich um eine „gute Policey". Denn, wenn der Herrscher nicht die Verstöße seiner Untertanen gegen die Gebote Gottes ahndete, so bestrafte nach der damaligen Vergeltungstheologie Gott das Land mit Hunger, Seuchen und Kriegen. Um die Untertanen zu gottesfürchtigen und fleißigen Menschen zu erziehen, wurden von den herrschaftlichen Eliten nach und nach sogenannte Polizeiordnungen erlassen. Den Anfang machte die Reichspolizeiordnung von 1548. Nachdem 1553 die bayerische Landes- und Polizeiordnung erlassen worden war, gab auch Pankraz von Freyberg seinen Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart eine Polizeiordnung, als Ehaftgebot (ehaft rechtmäßig, öffentlich, gesetzlich) bezeichnet.

In dem Ehaftgebot finden sich Artikel, die die Übertretung von Geboten Gottes betreffen wie das Verbot der Gotteslästerung und des vorehelichen Geschlechtverkehrs. Es enthält aber auch Bestimmungen zur Friedenswahrung und zur Regelung des wirtschaftlichen Lebens. Einige Artikel sind aus der Reichspolizeiordnung und aus der bayerischen Landes- und Polizeiordnung übernommen, andere wie der Kampf gegen den Perchtenbrauch sind eigenständige Artikel.

Nach dem ersten Ehaftgebot wurden zwischen 1578 und 1810 acht weitere Fassungen publiziert, die Änderungen gegenüber der ersten Version enthalten. Diese dokumentieren die jeweiligen zeitgenössischen Probleme.

In die Ehaftgebote konnten sowohl landesherrliche Mandate als auch spezielle Bedürfnisse des jeweiligen Herrschaftsinhabers, aber auch der Gemeinde bzw. einzelner Interessensgruppen innerhalb der Gemeinde einfließen. Die Ehaftgebote waren also nicht nur ein Ausdruck des herrschaftlichen Disziplinierungswillens gegenüber den Untertanen, sondern verkörperten auch Disziplinierungswünsche der Untertanen gegenüber herrschaftliche Beamten, oder sogar gegenüber der Herrschaft, wenn sich diese in der Umsetzung derjenigen landesherrlichen Polizeigesetzgebung, die im Interesse der Untertanen lag, nachlässig zeigte. Insgesamt gesehen lag der Hauptanteil an der Entwicklung der Ehaftgebote aber bei der Herrschaft, der Anteil der Gemeinde und ihrer Vertreter, der Rechtsitzer, war eher bescheiden.

1816 fand der Administrator der Herrschaft die Verlesung der Gebote überflüssig, Die Artikel gehörten teilweise eher in den Katechismus. Nach Ansicht dieses „aufgeklärten" Beamten hatte der moderne Staat nicht mehr die Aufgabe, sich um das Seelenheil seiner Untertanen zu kümmern. Dies sollte den Kirchen überlassen werden. Die Zeit, in der die Obrigkeit versucht hatte, den Untertanen zu einem gottesfürchtigen Menschen zu erziehen, war nun endgültig vorbei.