Aktuelles

Bericht zum Ausflug nach Salzburg am 4. Oktober 2013

Professor Dr. DopschEin voller Erfolg war der Ausflug des Heimat- und Geschichtsvereins am 4. Oktober 2013 nach Salzburg, und zwar sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht (die Fahrt war seit mehreren Wochen ausgebucht) als auch in "geschichtlicher" Hinsicht, denn unser Führer Prof. Dr. Dopsch verstand es unser aller Erwartungen weit zu übertreffen. Herr Prof. Dopsch ist für uns alle ja kein Unbekannter, hat er doch durch seinen Vortrag über Herrenchiemsee 2011 und den über Salzburg in diesem Jahr bereits eine treue Anhängerschaft gefunden. Die Gruppe war mit 42 Teilnehmern schon fast zu groß, und im Verlauf der Führung stellte sich heraus, dass der eine oder andere Besuch aufgrund der zu großen Truppe nicht möglich war.

Der Bus setzte uns mitten in Salzburg in der Nähe des Justizgebäudes ab und so machten wir uns auf den ca. zehnminütigen Fußmarsch um Prof. Dopsch bei der Kajetanerkirche zu treffen. Am Fuße der Nonnbergstiege erläuterte uns Prof. Dopsch den Grund, warum die Kaigasse hier einen scharfen "Knick" macht, der Grund war ein römischer Tempel, der an dieser Stelle gefunden wurde.

Kloster NonnbergDie nächste Station unseres Marsches war dann das Kloster Nonnberg. Dieses wurde vom hl. Rupert 711 gegründet, die erste Äbtissin war die hl. Ehrentraud, eine nahe Verwandte des hl. Rupert. Ursprünglich war das Kloster als Stift gegründet, das adeligen Frauen vorbehalten war, von Erzbischof Konrad wurde jedoch die Benediktinerregel durchgesetzt. Die Stiftskirche ist bekannt für die romanischen Fresken aus der Mitte des 12. Jhdt., die 1988 restauriert wurden, sowie für den spätgotischen Altar, die Krypta und das "Clanner Fenster" aus dem 15. Jhdt. Das letztere ist leider durch den Altar verdeckt.

Die Zeit drängte, da unsere Gruppe um 12:00 Uhr im Stift St. Peter angekündigt war. Unser Weg führte uns am "Nonnberghund" vorbei, der eigentlich ein Löwe sein sollte und der die Grenze zwischen Stift Nonnberg und der Stadt Salzburg markierte, am Stiglkeller vorbei zum Kapitelplatz. Der Erzbischof Dietrich von Raitenau ließ die Altstadt von Salzburg nach den Idealen des Italienischen Architekten Vicenzo Scamozzi neu gestalten. Die ideale Stadt sollte demnach über fünf Plätze verfügen, wie sie auch heute noch existieren: der Kapitelplatz, der Domplatz, der Residenzplatz, der Waagplatz (ursprünglich der Alte Markt) und der Alte Markt. Am Kapitelplatz residiert heute der Erzbischof von Salzburg.

Expressionistische Fresken in der Marienkapelle St. PeterDie nächste Station war die Stiftskirche St. Peter. Diese wurde, so beweisen es archäologische Funde, im 8. Jhdt., also zu Zeiten des hl. Rupert gebaut. Die heutige Kirche stammt aus dem 12. Jhdt. Und wurde unter dem Abt Balderich nach einem Brand neu erbaut. Sie beherbergt das Grab des hl. Rupert und Gedenktafeln für den Komponisten Michael Haydn und für Marianne Freyfrau zu Sonnenburg ("Nannerl"), die Schwester von W. A. Mozart. Aufgrund der guten Beziehungen von Prof. Dopsch konnten wir den alten Kapitelsaal und die Marienkapelle besuchen. Diese gilt als das älteste noch erhaltene gotische Bauwerk der Stadt. Hier ist Johannes von Staupitz begraben, ein Freund Luthers und Abt von St. Peter von 1520 – 1522. Auch die gotische "Schöne Madonna" ist sehenswert. Besonders reizvoll, aber auch "Geschmackssache", ist das Nebeneinander der alten Fresken aus der gotischen Zeit (hl. Katharina, hl. Barbara, hl. Vitus) und der nachexpressionistischen Fresken, die zwischen 1952 und 1956 von Lydia Roppolt (1922 – 1992) gestaltet wurden.

Katakomben St. PeterAuf dem Weg zum Mittagessen machten wir noch einen kurzen Halt am Friedhof St. Peter. Der Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau löste angesichts des bevorstehenden Baus des Residenzplatzes im Jahre 1599 den Domfriedhof auf. Im Zuge dieser Baumaßnahme sollte auch der Friedhof St. Peter aufgelassen werden. Die Mönche weigerten sich und konnten der Auflassung bis heute widerstehen. Prof. Dopsch erzählte uns auch von den "Katakomben", die jedoch, so hatten es Forschungen der neueren Zeit ergeben nicht auf frühchristliche Aktivitäten zurückzuführen sind.

StiftskellerNoch eine weitere Anekdote: der Stiftskeller St. Peter wirbt damit, dass er bereits im Jahre 803 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, und zwar durch den Gelehrten Alkuin von York, einem Gefolgsmann Karls des Großen. Er hatte in einem Bericht über das Stift St. Peter auch die Wirtschaft "neben der Kirche" erwähnt und die Vermutung lag nahe, dass es sich dabei um den Stiftskeller handeln müsse. Prof. Dopsch bestätigte dies auch, da die Geschäftsleitung plante, damit einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde als ältestes Restaurant Mitteleuropas zu bekommen. Was Prof. Dopsch jedoch verschwieg war, dass sich das Stift damals an einer anderen Stelle befand und somit der heutige Stiftskeller nicht gemeint sein konnte.

Domkuppel in SalzburgNach dem Mittagessen im Stiglkeller standen der Domplatz und der Dom auf dem Programm. Anhand der heutigen Dimensionen des Domplatzes lassen sich die Ausmaße des damals geplanten Domes ausmachen, denn der Domplatz selbst sollte ursprünglich Teil des Domes werden, zwei der fünf Eingangsportale wurden in der Vergangenheit wieder zugemauert. In der Krypta des Doms erläuterte uns Prof. Dopsch anhand eines Schaubildes die Baugeschichte. Schon am Eingang zum Dom kann der Besucher die wechselvolle Geschichte erahnen, denn die Jahreszahlen 774 – 1628 – 1959 geben die wichtigsten Meilensteine der Baugeschichte wider. 774 wurde der "erste" Dom durch hl. Virgil geweiht. Interessanterweise war der Dom damals nicht genau nach Osten ausgerichtet ("geostet"), sondern gemäß dem Sonnenaufgang zum Patroziniumstag. 1167 brannte dieser Dom nieder und wurde in gewaltigen Dimensionen (110 m lang) durch Erzbischof Konrad III. neu errichtet. Auch dieser Dom wurde 1598 nach einem Brand abgebrochen. Der heutige barocke Dom (Grundsteinlegung 1614) wurde im Jahr 1628 durch Erzbischof Paris Londron geweiht. Nach der Zerstörung und dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg wurde er im Jahr 1959 wieder geweiht. In der Krypta sind noch Reste des alten romanischen Bauwerkes zu sehen. Prof. Dopsch hob den hohen kulturhistorischen Wert des Gebäudes hervor, das auch in der Fachliteratur als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet wird, wenngleich es für die damalige Zeit zu groß war. Aber es ging hier nicht um eine Kosten- / Nutzenrechnung sondern um eine Machtdemonstration der Kirche. Erwähnenswert sind die vier Pfeilerorgeln, die jede einzeln bespielt werden können.

Waagplatz und JudengasseNach einem kurzen Abstecher zum Innenhof der alten Residenz und zum Residenzplatz (schöner Residenzbrunnen) besuchten wir den Waagplatz. Hier befanden sich früher der Gerichtsplatz, der Pranger und die öffentliche Waage. Die Häuser um den Waagplatz haben zum Teil eine lange Geschichte, das älteste dürfte jedoch das Haus Nr. 4 sein, das vermutlich schon unter Karl dem Großen als Kaiserpfalz genutzt wurde und das einen romanischen Keller besitzt, der zu "verschiedenen kulturellen" Zwecken genutzt wird.

Die Judengasse in der Altstadt der Stadt Salzburg zieht sich vom Waagplatz bis zur Getreidegasse. Dort lebten im Mittelalter bis zur zweiten Judenvertreibung 1404 der Großteil der Salzburger Juden. Im Haus Judengasse 15 befand sich möglicherweise die Synagoge (genannt Judenschule). Am ältesten Rathaus der Stadt am Waagplatz wurde nach der letzten Judenvertreibung (1498) im Jahr 1520 eine Relieftafel angebracht, die ein Mutterschwein zeigt, das jüdische Kinder säugt. Die Tafel wurde im Volksmund Judensau genannt. Sie wurde 1785 auf Anordnung von Erzbischof Hieronymus von Colloredo wieder entfernt (Quelle: Wikipedia).

Sala TerrenaÜber den Alten Markt und den Langenhof (romanischer Löwe vermutlich aus dem romanischen Dom) führte uns Prof. Dopsch zu einem Kleinod: der Sala Terrena, einem ursprünglich offenen Arkadenhof, der mit einem im manieristischen Stil gehaltenen Deckenfresko ausgestattet ist. Dieses wurde erst in den Jahren 1983 – 1993 freigelegt.

Die Besichtigung der Franziskanerkirche, der vorletzten Station unserer Wanderung, war wegen einer kirchlichen Veranstaltung nur eingeschränkt möglich. Trotzdem konnten wir den Hochaltar mit der Madonna von Michael Pacher und die Chorkapellen, jede in einem anderen Stil gehalten, bewundern.

Da die Zeit schon sehr weit fortgeschritten war, musste die letzte Station, der Sebastiansfriedhof im Eilschritt aufgesucht werden. Eine kleine Gruppe entschied sich jedoch, den Bus direkt aufzusuchen, nicht ohne sich vorher eine Kaffeepause gegönnt zu haben.

Leopold Mozart GrabDer Friedhof der Kirche St. Sebastian, wie er offiziell heißt, wurde Ende des 16. Jhdt. Im Stil eines italienischen "Campo Santo" angelegt. Seit 1599, dem Jahr der Auflassung des Domfriedhofes, dient der Sebastiansfriedhof als Begräbnisstätte für alle Salzburger Bürger. Hier ist unter anderem Leopold Mozart beerdigt.

Mit einer halbstündigen Verspätung konnten wir wieder den Heimweg antreten und erreichten Aschau wieder um ca. 18:30 Uhr.

Obwohl wir uns überwiegend auf "touristischen" Pfaden bewegten, konnten wir doch Dank der hervorragenden Führung durch Prof. Dopsch neben den rein geschichtlichen Fakten auch viel Hintergrundwissen erhalten, das er aufgrund seiner profunden Kenntnis der Materie und auch aufgrund seines didaktischen Geschickes ausgezeichnet zu vermitteln imstande war. Für das nächste Jahr ist nach ähnlicher Manier wie heuer eine Reihe "Berchtesgaden", bestehend aus Vortrag und Führung, geplant. Hierauf können wir uns alle schon heute freuen.

Fotos zum Ausflug