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Aber der Hans, der kanns…Bericht zum Novemberstammtisch 2013

gewerbe-06...so ist man versucht zu sagen, nachdem man den fachkundigen und erfrischenden Vortrag von Hans Rucker zum Thema "Handwerk und Gewerbe im Priental bis 1960" gehört hat. Hans Rucker zeichnete mitverantwortlich für den Quellenband XVI "Gewerbe, Handwerk, Zoll", der im Rahmen unserer Ortschronik erschienen ist. Und deshalb sei er auch, so Hans, noch so im Thema drin, dass er darüber im Rahmen des Novemberstammtisches am 4. November 2013 im Aschauer Seniorenheim referieren könne.

Im Prinzip ist dieses Thema durch die zeitliche Eingrenzung auf die Jahre bis 1960 relativ "statisch", denn in diesen Jahren waren Handel und Gewerbe relativ wenigen Änderung unterworfen, erst die letzten Jahre brachten auf diesem Gebiet gewaltige Umwälzungen. Und trotzdem existierte eine ungeheure Vielfalt, die es heute im Zeitalter der Supermärkte nicht mehr gibt. Man produzierte und verkaufte im Wesentlichen nur das, was am Ort gebraucht wurde. Ein heutiger "EDEKA" wäre in den Fünfzigerjahren den damaligen Bewohnern wie ein Schlaraffenland vorgekommen, so Hans Rucker. So gab es beispielsweise in den Jahren 1950 bis 1960

20 Schneider / Schneiderinnengewerbe-10
23 Lebensmittelläden
12 Schuster

Eine Reihe von Handwerken ist heute ausgestorben. Dazu gehören Müllner, Sattler, Polsterer, Binder (Fässer), Glaser, Hafenbinder, Weber, Hafner, Schneider, Gerber, Schinder (Abdecker), Mehlhändler, Schnapsbrenner, Büchsenmacher, Wagner, Hufschmied, Korbflechter und Köhler.

Die Gewerbetreibenden konzentrierten sich zum einen in Niederaschau um den Kirchplatz, hier gab es auch die "Sonntagsläden", in denen sonntags verkauft wurde, und zum anderen in Hohenaschau im Bereich der Brauerei. Erst in den Jahren 1880 bis 1914, der "Gründerzeit" eröffneten erste Läden an der Niederaschauer Bahnhofstraße.

Eine weitere Facette dieser Zeit waren die Konzessionen, zu deren Erlangung, so hatte man den Eindruck, man schon manchmal etwas "nachhelfen" musste. So hatten in Niederaschau nur zwei Wirtschaften die Konzession zum Weinausschank, in drei Wirtschaften durfte man Karten spielen, wobei hier auch noch eine eigene "Kartensteuer" an den Pfleger entrichtet werden musste.

Viele Geschichten und Anekdoten würzten Hans Ruckers Vortrag, von denen eine hier zum Besten gegeben werden soll:

In den Wirtschaften musste zum Bierausschank jährlich eine Schankgenehmigung erworben werden. Auch im Hohenaschauer Burghotel, in dem traditionsgemäß immer die "saubersten" Bedienungen angestellt waren, war dies erforderlich. Im Rahmen der Hygieneprüfung mussten sich die Bedienungen in einer Reihe aufstellen und die Kommission, bestehend aus Rentmeister, Bürgermeister und Braumeister prüfte die Hände auf Sauberkeit. Danach mussten sich die Bedienungen umdrehen und die Röcke heben und die Kommission überprüfte, ob auch hier alles "hygienisch" zuging. Er habe diese Geschichte vom Bauer Karl, der zu dieser Zeit als Lehrling bei der Hohenaschauer Gemeindeverwaltung angestellt war, so Hans Rucker.

Im zweiten Teil seines Vortrages ließ Hans Rucker die alte Zeit anhand historischer Fotografien Revue passieren. So konnte man Bilder der Postkutsche, des ersten LKW der Brauerei oder auch von alten Handwerksbetrieben und den dazugehörenden Personen sehen.

Wie immer, ein Erlebnis. Vielen Dank. Und: Fortsetzung folgt!

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