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Der Himmel lacht, die Erde jubilieret

Montini EnsembleJohannes Bergers junges "Montini-Ensemble" beim Silvesterkonzert in Aschaus Pfarrkirche mit (von rechts) Zoran Curovic, Trompete; Juliana Koch, Oboe; Michael Schönfelder, Bass; Stefanie Pritzlaff, Blockflöte; Anna Khubashvili, Cello, und am Cembalo Johannes Berger. Links im Bild die Streicher mit der Solistin Ava De Arauja Madureira. Foto: Gattinger

"Der Himmel lacht, die Erde jubilieret" - dieses angesagte Motto mobilisierte. Zum neunten Mal leitete Johannes Berger sein fulminantes Klassikkonzert in der Pfarrkirche Aschau "Zur Darstellung des Herrn". Mit Bachs zweitem Brandenburgischen Konzert im Hauptteil des Programms sowie Georg Friedrich Händels Orgelkonzert in F-Dur und dessen "Feuerwerksmusik" nahm der Zuspruch aus der Region nahezu beängstigende Ausmaße an. Längst waren die Karten vergeben. Der "Emporenstürmer"-Zeit entwachsen, rückte ein 14-köpfiges putzjunges Montini-Solistenensemble an, gespickt mit Bundessiegern aus "Jugend musiziert", Meisterstudenten an Hochschulen und Mitgliedern des Bundesjugendorchesters. Die zwei Arrivierten spielen längst makellos. Johannes Berger lud ein - und alle kamen: drei Solotrompeter, drei Geiger, eine glänzende Soloviolinistin aus Portugal, eine virtuose Blockflöten-Artistin, eine europaweit erprobte Solo-Oboistin, ein Klasse-Paukist, eine welterfahrene Bratschistin, Anna Khubashvili, begnadete Cellistin aus Georgien, am Kontrabass Michael Schönfelder, seit 2013 Master.

Master Berger schloss seine Studien im Konzertfach Orgel, Cembalo und Kirchenmusik jeweils mit Auszeichnung ab, gewann den Grand Prix Bach de Lausanne, wurde mit zwei Kulturpreisen ausgezeichnet, pflegt regelmäßige solistische Konzerttätigkeit und Zusammenarbeit mit renommierten Ensembles und ist Kustos der Heldenorgel Kufstein.

"Pastime with good company" - Zeitvertreib mit guten Freunden, Renaissancemusik des englischen Königs Henry VIII. (1451 bis 1547) als zu Herzen gehender Einstieg war Anspielung auf die Musikerfreunde und zugleich Reverenz für die erste großartig abgeschlossene europäische Musikepoche.

Trommelwirbel und Pauke durchbrachen die Kirchenstille. Im Terzabstand gaben zwei Trompeten das Thema vor und wiederholten es verhalten strahlend in Pianissimo-Echo. Zierlich arbeitete es die einsetzende Orgel einstimmig aus, begleitete mit Stakkato-Akkorden, wiederholte es renaissancegerecht hauchzart und vereinigte sich mit den Trompeten final in Jubel.

Ebenso werkgetreu straff königlich, britisch festlich folgte Händels Orgelkonzert in F. Unter Bergers Händen genügte das Pemmer-Positiv für akribisch barocken Pralltriller-Zierat. Hinzu kamen das Cembalo, die Violinen im Terzett, solistisch Cello und Kontrabass, ganz vorzüglich eine behände Alt-Blockflöte im Duett mit einer verhaltenen Oboe. Intelligent rasche Tempi in den Allegro-Ecksätzen und entspannte Hingabe im Andante taten gut. Ebenso gut tat - verglichen mit gegenwärtig allzu lautem Musizieren - die verhaltene Dynamik des wundervoll wie eine Hörschule wirkenden Orchesters unter Johannes Bergers Dirigat vom Orgelpositiv aus.

Wahre musikalische Torheiten - italienisch "follia" - überstand unbeschadet Stefanie Pritzlaff aus Augsburg mit ihrer Blockflöte in "Follia" von Paolo Benedetto Bellinzani (1690 bis 1757). Sein Thema wird durch alle Variationen gezogen und verformt von Lento bis Presto, mit Taktwechseln, Oktavsprüngen, wahnwitziger Beschleunigung, elegischer Breite, virtuosem Schwirren, mit Kadenz zum Abschluss.

Nur fünf Jahre älter und ganz und gar anders als Bellinzani war Zeitgenosse Johann Sebastian Bach. Sein zweites Brandenburgisches Konzert zeigt ihn auf dem Gipfelpunkt seiner immens besonnenen Kunst. Berger berücksichtigte Bachs Instrumentierung mit unterschiedlichen, nicht verwandten Instrumenten, wie es die der Streicher-Familie sind, wegen ihrer Farbigkeit. Die Solotrompete (brillant: Zoran Curevic, in Sarajewo, Bad Reichenhall und Salzburg beheimatet) lässt er nicht permanent dominieren; sie schweigt ohnehin im Mittelsatz. Blockflöte und Cembalo werden nicht übertönt. Entsprechend hielt der junge Meister Maß auch bei Händels Feuerwerksmusik. Nach besinnlicher Ouverture und den heiteren Tänzen Bourrée und Menuett bleibt er in gemessenem Tempo und lässt triumphales Gehabe mit Pauken und Trompeten nicht überschäumen, so hält die innere Freude über diese himmlische Musik länger an.