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Eisenindustrie im Priental (1540-1879) – neue Dokumentation auf Schloss Hohenaschau

Im vergangenen Jahr konnte der Heimat- und Geschichtsverein nach Ende der Bayerischen Landesausstellung „Adel in Bayern“ eine neue Dokumentation auf Schloss Hohenaschau einrichten. Dazu erschien im Januar eine darauf abgestimmte Broschüre (168 Seiten, über 260 Abbildungen) mit dem Titel: „Herrschaft und Schloss Hohenaschau mit Prientalmuseum“. Jetzt ist der Geschichtsverein dabei, die Ausstellung zu 350 Jahre Eisenindustrie im Priental bis zur Wiedereeröffnung am 04. Mai vollkommen neu zu gestalten. Nachdem die erste Etage des Museums seit 2009 der Familie Cramer-Klett gewidmet ist, wird die „Eisenindustrie“ wie schon zuvor, im Erdgeschoss untergebracht. Der Aschauer Künstler und Restaurator Franz Feistl übernahm die Arbeiten für Gestaltung und Einbau der Grundkonstrukti-on, während die Priener Fotografin Anita Berger zusammen mit Wolfgang Bude vom Geschichtsverein für die notwendigen Schautafeln mit Abbildungen und Texten sorgen.

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1879 ein großer Teil der Menschen im Chiemgau neben der Salzgewinnung und –Verarbeitung von der Eisenindustrie lebte. In anschaulicher Weise, wird in der Dokumentation die Entwicklung und Technik dieses Wirtschaftsbereiches - vor allem auch durch entsprechende Modelle - dargestellt. Nachdem das bereits im Mittelalter an der Kampenwand gewonnene Erz zu spröde war („Schlechtenberg“), bediente sich Pankraz von Freyberg (1508-1565) des geeigneteren Rohstoffs von den Erzlagerstätten am Kressenberg (nahe Neukirchen). Von den Gruben kam das Erzgestein in die Schmelzöfen in Mühlwinkel bei Bergen (vorher Siegsdorf), wo in einem ersten Arbeitsschritt sogenannte „Flossen“ gegossen wurden. Für die Weiterverarbeitung an Ort und Stelle fehlte es wegen der „Konkurrenz“ der Salzsiedereien in Reichenhall an Holzkohle. So transportierte man die „Eisenflossen“ an den Hafen von Grabenstätt, von dort via Chiemsee-Plätten bis Bernau in den Irschener Winkel, wo es auf Fuhrwerken verladen zu den Frischöfen nach Hohenaschau – Hammerbach gekarrt wurde. Im Priental und darüber hinaus verdienten die Menschen ihren Lebensunterhalt vor allem als Forstarbeiter, Köhler, Fuhrleute, Nagelschmiede, Hammerwerker, Drahtzieher, etc. Nahezu jeder hatte mittelbar oder direkt mit der Eisenindustrie zu tun. Es mag die größte Rezession im westlichen Chiemgau gewesen sein, als 1879 aus Rentabilitätsgründen die Aschauer Werke aufgelassen wurden.

All dies ist im Rahmen der Führungszeiten auf Schloss Hohenaschau in einer interessanten Schau zu sehen.

Führungszeiten von 04. Mai - 31. Oktober 2010
Dienstag & Donnerstag 13:30 und 15:00 Uhr
Mittwoch & Freitag 10:00 und 11:30 Uhr
Sonn- und Feiertage 13:30 und 15:00 Uhr

Während der Führungszeiten sind Prientalmuseum und Burgladerl geöffnet!