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Führung durch die barocke Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ Prien

Pfarrkirche Prien

- Denkmale und Dachboden -

25 Aschauer trafen sich am Montag, dem 6. Juni 2016 vor der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Prien. Die geplante Führung erstreckte sich vom Außenbereich bis zum Dachboden und wurde von Kreisheimatpfleger Karl Aß betreut. Schwerpunkt waren dabei im ersten Teil die Denkmale an den Außen- und Innenwänden der Kirche. Herr Aß beschränkte sich dabei vor allem auf die für Aschau interessanten Epitaphe, deren vielleicht Wichtigstes sich gleich neben der Eingangstür an der Südseite befindet, das große klassizistische gusseiserne Denkmal für die Grafen Preysing, Majoratsherrn von Hohenaschau, Johann Max V. und seinen Nachkommen, den letzten Preysing auf Hohenaschau, Johannes Christian und seiner Tochter Christine. Besonders interessant an der Außenmauer ist auch der Grabstein des letzten Propstes des Stiftes Herrenchiemsee, dem in Aschau geborenen Augustin Fuchs, der nach der Säkularisation als Archidiakon von Herrenchiemsee bis 1813 in Prien gewirkt hat und dort 1825 gestorben ist.

Nach einer kurzen Beschreibung des spätbarocken Kircheninneren als geglückte Mischung von Münchner und Salzburger Hofkunst – bemerkenswert sei vor allem die Stuckatur und Deckenmalerei des Johann Baptist Zimmermann und die salzburgerischen, schon fast klassizistischen Ältäre aus Untersberger Marmor - zeigte Herr Aß weitere wichtige Epitaphe, die sich zum großen Teil im normalerweise nicht zugänglichen Presbyterium seitlich und hinter dem Hochaltar befinden, interessant für Aschauer darunter das Denkmal für Sophia Schurff, geb. von Freyberg, die durch Heirat den Wildenwarter Besitz der Freyberger an das Tiroler Geschlecht der Schurff gebracht hatte. Das marmorne Bildwerk zeigt eine Madonna, unter deren Schutzmantel sich die Wappen der beiden Häuser befinden. Neben weiteren Epitaphen der Familie Schurff gibt es auch eine Marmortafel für Graf Johann Max V. von Preysing und, besonders bedeutend, aber sehr versteckt, beeindruckte das älteste und größte Grabdenkmal der Kirche, ein Renaissance-Epitaph von 1530 für Wolf Hofer, Gerichtsherr auf Wildenwart. Erstaunen erregte das sich daneben befindende Wappenepitaph für Freiherrn Ferdinand von Schurff von 1779, das Kopf stehend dargestellt ist, da er der letzte seines Geschlechts war.

In Vorbereitung auf den zweiten Teil der Führung, diesmal durch Josef Stöttner, ehemaliger Kirchenpfleger, ging man zuerst auf die Baugeschichte der Kirche ein. Die Kirche ist 1730 unter Pfarrvicar Floridus Rappl erbaut worden, wobei die gotische Vorgängerkirche bis zu den Fenstern einbezogen worden ist. Der Turm war nun an der Westseite geplant. Um die Baukosten niedrig zu halten, wurde der erst 1708 neu gezimmerte Spitzturm nicht abgetragen, sondern in einer Aufsehen erregenden Aktion vom alten Platz unzerlegt auf Walzen auf den neuen Platz getrieben.

Zuerst besaß die Kirche ein einfaches Lattendach, nachdem Floridus Rappl Probst von Herrenchiemsee geworden war, beschloss man 1737 ein Steingewölbe einzuziehen. Dieses neue, sehr schwere Gewölbe verursachte im Laufe der Zeit ein Auseinanderdriften der Wände. Man versuchte, dieses durch Eisenanker zu verhindern, die jedoch die Sicht auf das prächtige Deckengemälde beeinträchtigten und an dem Driften der Mauern nicht viel änderten. Als eine weitere Renovierung Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts anstand, konnte man mit Hilfe einer sehr sinnreichen neuen Stahlkonstruktion dieses Auseinanderdriften beenden. Der Ingenieur Neubauer aus Ainring hatte sich die Konstruktion ausgedacht, die das Ordinariat als Muster für ähnliche Falle bezahlte. Die Gruppe aus Aschau konnte, nach einer Kletterpartie über steile Stufen im Dachgeschoß, diese Konstruktion, die bis jetzt die Kirchenmauern vom Auseinanderdriften abhält, bewundern. Auch der Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert, die meisten Balken noch aus der Entstehungszeit, erheischten bei den Besuchern Bewunderung für die Handwerkskunst der Alten.

Zum Abschluss der Führung konnte noch ein Blick auf die Orgel und von der Orgelempore in den Kirchenraum getan werden. Von hier aus kann vor allem das Deckengemälde sehr schön und bequem bewundert werden.

Nach ca. 2 sehr informativen und beeindruckenden Stunden verabschiedeten sich die Aschauer mit viel Dank von den Herren Aß und Stöttner für die interessanten Führungen. Ein gemütliches Beisammensein in der „Kampenwand“ in Aschau beschloss die Juni-Exkursion des Heimat- und Geschichtsvereins.