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Kirchenführung mit Kreisheimatpfleger Karl Aß am 12. Juni 2017

Maria Stern

Die Umgestaltung von dörflichen Kirchen war das übergreifende Thema der diesjährigen Kirchenführung. Kreisheimatpfleger Karl Aß zeigte am Beispiel der beiden Kirchen in Neukirchen und Söllhuben den in den 50er und 60er Jahren geübten typischen Umgang mit Baudenkmälern. Das Ziel der denkmalpflegerischen Bemühungen war damals, dem „Ursprungszustand“ nahe zu kommen, indem man die Ausstattung durch dem ursprünglichen Stil nachempfundene Stücke „ergänzte“, eine Bemühung, die hier mit dem Namen Rudolf Esterer verbunden ist.


Erste Station der 35 Führungsteilnehmer war in Neukirchen am Simssee die Wallfahrtskirche „Maria Stern“. Wesentlicher Teil der barocken Ausstattung ist das große Deckenfresko, das fast den gesamten Deckenraum der eher kleinen Kirche umspannt. Es ist ein Frühwerk des großen österreichischen Barockmalers Josef Adam Mölk und stellt die Legende des Brückenheiligen Johann Nepomuk dar. Der Hauptaltar beherbergt das Gnadenbild „Maria Stern“, Maria mit dem aufrecht stehenden gefatschten Jesuskind, einer seltenen Madonnendarstellung. Es wurde 1710 von Riedering überführt und hat das Gnadenbild des der Säkularisation zum Opfer gefallene Kloster Taxa zum Vorbild. Erstaunlich ist der große Bestand an Votivtafeln an den Seitenwänden der Kirche, der aller Umbau- und Sammelwut Stand gehalten hat.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renovierung anstand, erhielt die Kirche zwei Seitenaltäre nach Entwürfen des Denkmalpflegers Rudolf Esterer aus dem benachbarten Farnach, beide im neubarocken Stil, einer davon ein für katholische Kirchen ungewöhnlicher Kanzelaltar.

Nach der Weiterfahrt nach Söllhuben zur Pfarrkirche St. Rupert konnten die Besucher sofort die hier ebenfalls von Esterer initiierte Umgestaltung erkennen. Der lichtdurchflutete Kirchenbau geht auf einen Entwurf des großen Baumeisters Johann Michael Fischer zurück, es wurde sein letzter Bau, die Fertigstellung konnte er nicht mehr miterleben. Aus Kostengründen unter dem strikten Einsparungswillen der Hohenaschauer Beamten wurden allerdings viele Ideen von Fischer nur annäherungsweise ausgeführt.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche eine neuromanische Ausstattung, die in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Rudolf Esterer entfernt wurde. Auch hier wurden zwei neue von Esterer entworfene Seitenaltäre in neubarocker Form aufgestellt, die Plastiken der Kirche aus der Barockzeit enthalten. Der Hauptaltar, ursprünglich aus der Servatiuskapelle auf der Streichen, wurde umgearbeitet zu einem Rupertaltar und um einiges in der Höhe verändert. In den 50er Jahren vervollständigten Rokokostukkaturen die Umgestaltung. Durch die von Fischer geplanten und nun gebauten Turmhauben ergibt sich heute eine Außenansicht, die der von Johann Michael Fischer geplanten sehr nahe kommt.

Dr. Ulrich Feldmann dankte Karl Aß im Namen des Vereins für die wie immer sehr interessanten Führungen, die für viele Besucher sicher einige neue Erkenntnisse brachten.

Da in Bayern zur Kirche bekanntlich der Wirt zwingend gehört, kehrten die meisten Teilnehmer der Veranstaltung gleich beim benachbarten Gasthaus „Hirzinger“ zur Stärkung ein.