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Fahrt nach Füssen und nach Glentleiten, 20.8.2010

Geschichte "pur" konnten die Teilnehmer des Ausfluges vom 20. August 2010 zur Landesausstellung 2010 des Hauses der Bayerischen Geschichte und zum Freilichtmuseum Glentleiten erleben.

Kloster St. Mang, FüssenDie Landesausstellung 2010 widmet sich den vielfältigen Beziehungen von Bayern zu Italien. Sie findet an drei Orten statt, an denen unterschiedliche Schwerpunkte thematisiert werden.

In Füssen, im ehemaligen Kloster St. Mang werden unter dem Titel "Kaiser, Kult und Casanova" historische Beziehungen beginnend von der Römerzeit bis zum 17. Jhdt. anhand von Einzelpersonen beleuchtet, in Augsburg im Staatlichen Textil- und Industriemuseum wird das Thema unter dem Titel "Sehnsucht, Strand und Dolce Vita" bis in die heutige Zeit weitergeführt. Die Ausstellung "Künstlich auf Welsch und Deutsch" in Maximilianmuseum beleuchtet die kulturellen Beziehungen zwischen Bayern und Italien im 15./16. Jahrhundert.

Ziel des ersten Ausfluges zur Landesausstellung war Füssen. Im ehemaligen Kloster St. Mang ist die Ausstellung "Kaiser, Kult und Casanova" untergebracht. Das Kloster wurde in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet und 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Stadt Füssen hat 1909 das Klostergebäude erworben und richtete im Nordflügel ihr Rathaus und im Südflügel das Museum der Stadt Füssen ein. Die sehr gut gemachte Ausstellung stellt die Geschichte der bayerisch italienischen Beziehungen anhand von historischen Persönlichkeiten dar, somit ergibt sich ein natürlicher roter Faden, der geschickt und spannungsvoll - wirkungsvoll unterstützt durch eine Anzahl von wertvollen Exponaten - einen Bogen von der Römerzeit bis zum 17. Jahrhundert schlägt. Septimius Impetratus

So steht dann auch am Anfang des Rundganges der römische Legionär Septimius Impetratus, der um 200 n. Chr. an der Donau stationiert war. In seiner Eigenschaft als Soldat und Römer brachte er ein Stück italienische Lebensart nach Germanien, zumal er nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst sich in Regensburg niederließ und heiratete.

Weitere Persönlichkeiten, die unter anderen in der Ausstellung gewürdigt werden:

  • Die bayerische Prinzessin Theodolinde aus dem Geschlecht der Agilolfinger, die 589 den langobardischen König Authari heiratete, der jedoch ein Jahr nach der Hochzeit starb.
  • Der römische Heilige St. Qurinus, der in Rom 269 enthauptet wurde, und dessen Reliquien 746 von bayerischen Grafen nach Tegernsee gebracht wurden.
  • Konradin, der letzte Staufer, der sechzehnjährig 1268 in Neapel enthauptet wurde, als er seinen Anspruch auf das Königreich Sizilien militärisch durchsetzen wollte. In seinem Testament vermachte er einen Großteil des staufischen Besitzes in Bayern den Wittelsbachern.
  • Ludwig der Bayer, der sich 1327 in Rom zum Kaier krönen lassen wollte, aber der Papst "war nicht da", er war im Exil in Avignon.
  • Eustachius Hartmann, eher eine Randnotiz der Geschichte, der wegen Bigamie und Ehebruch in Augsburg 1573 zu fünf Jahren Galere verurteilt wurde. Vermutlich wurde er an Venedig verkauft, eine besondere Art der Wirtschaftsbeziehung...
  •  Johannes Regiomontan, der in Italien studierte und der sich um 1470 als Verfasser von Sternentafeln besonders um die Schfffahrt verdient gemacht hat.
  • Conrad Celtis, der sich 1495 für die Überwindung des Kulturgefälles zwischen Deutschland und Italien einsetzte.
  • Konrad Peutinger, der um 1500 nach Studien in Bologna und Padua in Augsburg neben seiner Tätigkeit als Stadtschreiber antike Schiften sammelte und herausgab.Heriette Adelaide
  • Henriette Adelaide von Savoyen, die 1652 den bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria heiratete. Sie brachte italienische Künstler nach München mit, die den Rahmen für ein barockes Hofleben nach italienischem Vorbild schufen. Beispiele dafür sind die 1663-1675 erbaute Theatinerkirche in München oder der "Bucentaur" als schwimmendes Jagdschloss, der dem "Bucintoro" des Dogen von Venedig nachempfungen wurde.
  • Der Rosenheimer Kaufmann Georg Schaur, der aufgrund eines Gelübdes das "Heilige Haus" von Loreto in Rosenheim als Loretokapelle nachbaute.
  • Laurentius von Brindisi, ein einflußreicher Kapuzinermönch, Freund des Herzogs Maximilian I., späterer Ordensgeneral des Kapuzinerordens. Ein Teil seines Herzens wird im Kapuzinerkloster in München aufbewahrt.
  • Franz Georg Hermann, der in Italien Kunst studierte und der den Kaisersaal des Klosters St. Mang zwischen 1720 und 1722 gestaltete.
  • Giacomo Casanova, den sein wechselvolles Leben im Jahre 1761auch nach Augsburg München geführt hat.

Alle Personen stehen durch ihre Geschichte für die mannigfaltigen und zunächst nicht offensichtlich erkennbaren Beziehungen von Bayern zu Italien. Die Ausstellung hat durch den Ausstellungsort, die wertvollen Exponate, die liebevolle Zusammenstellung und nicht zuletzt durch die hervorragenden Führer bei allen Teilnehmern einen überwältigenden Eindruck hinterlassen. Man hätte sich mehr Zeit gewünscht, um das eine oder andere Thema weiter zu vertiefen.Totentanz Papst

Nach der Führung war noch Gelegenheit, den von Jakob Hiebeler um 1600 geschaffenen "Totentanz" in der St. Anna Kapelle zu besichtigen. Im Totentanz wird die Macht des Todes dargestellt, die ohne Ansehen der Person, ob Kind, Amtmann oder Papst ausgeübt wird.

 

 

 

Musem Glentleiten

Nach einer kurzen Mittagspause fuhren wir pünktlich weiter nach Glentleiten. Hier befindet sich eines der beiden Freilichtmuseen, die der Bezirk Oberbayern - neben dem Bauernhausmuseum Amerang - betreibt. Unsere Führerin, Frau Stiegler freute sich, eine Gruppe aus dem Chiemgau begrüßen zu dürfen, stammt doch der Großteil der Exponate aus dem Chiemgau und angrenzenden Gebieten. Glentleiten bietet einen abwechslungsvollen Rundgang in einem weitläufigen Museumsgelände mit Wald, Weideflächen und historischen Gärten. Rund 60 Gebäude – Bauernhöfe, Mühlen, Almgebäude, Werkstätten und vieles mehr – sind hier wieder aufgebaut. Zusammen mit ihrer vollständigen Einrichtung vermitteln sie ein lebendiges Bild von der bäuerlich geprägten Vergangenheit Oberbayerns.

Glentleiten, SchieblhofUnser Rundgang begann beim "Mesnerhof", den wir nur von aussen besichtigten, und anhand dessen die bäuerliche Bauweise grundsätzlich erläutert wurde. Vorbei am darin befindlichen "Kramerladen", in dem ein kleines Cafe betrieben wird, ging es weiter zum "Schieblhof". Dieser stammt aus der Gemeinde Tyrlbrunn nahe Palling/TS und wurde um 1555 erbaut. Besonders schön sind die Wandmalereien in den Schlafkammern im OG (datiert 1661). Der Abbau so bemalter Wände stellte eine besondere Herausforderung dar, da hier nicht, wie sonst üblich die Wand zerlegt werden konnte, sondern als Ganzes transportiert werden musste. Dem Schieblhof angeschlossen ist der erste der "Epochengärten", in dem Pflanzen kultiviert werden, die bis 1500 in Bauerngärten zu finden waren. Wir konnten Pfanzen sehen, deren Namen nahezu vergessen sind, z. B. Gartenmelde, Bockshornklee oder Pastinake.

Nach dem Besuch der Seilerei und der Besichtigung des zweiten "Epochengartens", in dem Planzen zu sehen sind, die seit 1500 üblich und die auch heute noch in den "Bauerngärten" zu finden sind, besichtigten wir den Kalkofen. In solchen Öfen wurde unter hohem Energieaufwand der Kalk gebrannt, der zur Herstellung von Mörtel, zum Tünchen oder als Düngemittel gebraucht wurde.

Bäuerliches LebenVorbei an dem kleinen Häuschen mit dem eingesägten Herzchen ging es weiter zum "Bachlhof" aus Altenbeuern, erbaut um 1769. Hier konnten wir nahezu alle bäuerlichen Geräte sehen, fein säuberlich nach Tätigkeiten geordnet, die zum Teil auch heute noch gebraucht werden. In einem Raum ging es um Milchwirtschaft (Butter, Sahne) mit Zentrifuge und Butterfaß, in der Tenne waren Gerätschaften zu sehen, die in der "Grünlandwirtschaft" gebraucht wurden (Sensen, Heumanndl, etc.). Bei vielen unter den Teilnehmern haben diese Gegenstände Erinnerungen ausgelöst, haben sie diese doch noch mit eigenen Augen in Gebrauch gesehen, bevor sie von Maschinen abgelöst wurden. Interessant waren auch die idealisierenden Fotografien, die von einer Leni Riefenstahl nahestehenden Fotografin stammen und die zum Teil sehr stimmungsvoll den Alltag eingefangen haben.

Die letzte Station war der "Fischerweber", erbaut 1729 und bis 1960 bei Rottach Egern in Betrieb. Hier wurden Zimmer seit dem Ende des 19. Jhdt. an "Sommerfrischler" vermietet, und so konnte man die "Gute Stube" und die Schlafräume sehen, die den "Herrschaften" abgetreten wurden. Die bäuerliche Familie zog sich im Sommer in die kleineren Nebenräume zurück.

Auch hier war die Führung viel zu schnell vorbei, wir hätten unserer Führerin gut und gerne noch ein Weilchen zuhören können. Auch wäre es schön gewesen, das Museum noch weiter auf eigene Faust zu erkunden, denn einige Themenbereiche (z. B. Almwirtschaft, Mühlen, etc.) konnten wir nicht sehen.

Weitere Bilder zur Landesausstellung finden Sie hier...
Weitere Bilder zum Besuch in Glentleiten finden Sie hier...

Offizieller Link zur Landesausstelung 2020
Offizieller Link zu Glentleiten