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Silvesterkonzert Aschau 2010

Barockmusik erstrahlte in Aschaus Silvesternacht
Johannes Berger rückte Albinoni und Telemann ins Licht

Dank an den Himmel und Lebensfreude reichten sich die Hände beim grandiosen Silvesterkonzert 2010 in Aschau. Es hat Tradition seit 1998. Seit Tagen waren alle 400 Gotteshausplätze ausgebucht. Zum sechsten Mal stillte „EmporenstüMargit und Hansjörg Schellenbergerrmer" Johannes Berger die Erwartungen mit einem erlesenen Programm. Neben dem Thomaskantor rückte er  den lange Jahre bei höfischer Musik im kurfürstlichen Bayern unverzichtbaren, mittlerweile aber fast vergessenen Venezianer Tomaso Albinoni ins Licht und den lange unterbewerteten, einst europaweit gefeierten Georg Philipp Telemann.  Zur Freude des veranstaltenden Heimat- und Geschichtsvereins und der Klassik-Freudengemeinde scharte  Orgelvirtuose Johannes Berger in Aschau Musiker von Rang um sich: Margit-Anna Süß, Harfe, Oboen-Professor Hansjörg Schellenberger, die renommierte Opern-Mezzosopranistin Ann-Katrin Naidu, Oboen- und Englischhorn-Talent Barbara Stegemann, die versierte Priener Paukistin Barbara Öttl, den Solotrompeter der Bad Reichenhaller Philharmonie Zoran Curovic, der helle Freudenstöße seiner C-Trompete in Balthasar Mangs  farbenfrohen Aschauer Heiligenhimmel von 1754 schickte.

Orgelempore: Berger, Curovac, StegemannGeorg Philipp Telemanns fünfsätziges Concerto in D, instrumentiert mit Trompete, Orgel und zwei Oboen, von der Empore in die ausladende Weite und luftige Höhe der Aschauer Sakralhalle gesandt, war Intrade. Schlanke Klangschönheit, tänzerische Rhythmik, liebevolles Weiterreichen der Themen und die Freude am Variieren und Wiederholen machten einsichtig, dass Telemanns Stellenwert  neu definiert wird - auch wegen seines Schöpfens aus polnischen, französischen und italienischen Quellen. Die Leichthändigkeit mit der Johannes Berger die Orgel spielt und farbenreich registriert– väterlich unterstützt von Hans Berger - war etwas von dem Erhebenden, weswegen das Publikum hereindrängte. Aufhorchen liess neben Hansjörg Schellenberger der samtene Oboenklang von Barbara Stegemann, gesteigert noch beim weihnachtsseligen „Bereite dich Zion" mit betörendem Englischhorn. Mezzosopranistin Ann-Katrin Naidu gestaltete Bachs „Lobe den Herren" mit großer Stimme, Timbre und behutsamem Vibrato, rasche Verzierungen gelassen ritardierend . Es wurde aus Kantate BWV 137 stilbewusst statt Mozarts „Abendempfindung" ins Programm genommen. Dann kam edler Wohlklang vom Chorbogen her. Johann Sebastian Bachs Sonate C-Dur verlieh Harfenistin Margit-Anna Süss hingebungsvoll Gestalt, zusammen mit Hansjörg Schellenberger, als ein Lehrstück vollendeter  Harmonie. Glanz englischer Hofmusik unter Heinrich VI. strahlte auf in William Corbetts Sonate C-Dur. Elf italienische Jahre Corbetts schwangen in der Schlusskadenz deutlich mit.  Besonnenheit und Übersicht  bewies Johannes Berger als virtuoser Solist in J. S. Bachs feingliedrigem Andante BWV 527. Mit „Er weidet seine Herde" aus dem Oratorium „Messias" zeigte Ann-Katrin Naidu die religiöse Seite Georg Friedrich Händels auf. Philosoph Friedrich Schleiermacher merkte hierbei zu Christentum und Musik an: „Weil beide einander verklären und erheben, müssen beide fest aneinander halten."
Klassische Ausgewogenheit war zu erleben mit dem erst wenige Jahrzehnte wiederentdeckten Tomaso Albinoni. Seine durchwegs heitere Grundstimmung, lange Melodiebögen, pulsierende Rhythmik bei geringem spieltechnischem Anspruch erzielen größten Effekt. Mit seinem Adagio Opus 9/2 hatten  die beiden großen Sachranger Interpreten leichtes Spiel. „Bereite dich, Zion" aus Bachs Weihnachtsoratorium stand als einer der drei konzertanten Schluss- und Höhepunkte an. Schon beim Vorspiel hüpft das Herz vor Freude. Das Finale war Telemann vorbehalten, ausgeführt vom Pleno, bestärkt von präzisem Paukenspiel. Nach dem Allegro brach spontan Szenenbeifall los. Doch Telemann steigerte noch mit Jubel-Presto. Nicht genug damit. Als erklatschte Zugabe ließ Händels „Ankunft der Königin von Saba" Dämme brechen.