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Vortrag zum Thema "Baukultur im Priental"

Dr. Franz DirnbergerHerr Dr. Ulrich Feldmann, der 1. Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Aschau, begrüßte pünktlich um 19:00 den Referenten, Herrn Dr. Franz Dirnberger und die zahlreichen im kath. Pfarrheim erschienenen Zuhörer. Die Resonanz übertraf bei weitem die Erwartungen, aber offensichtlich war das Thema des Vortrages interessant genug, so dass das Pfarrheim mit ca. 70 Zuhörern sehr gut besucht war. Die Vortragsreihe "Baukultur im Priental" läuft seit dem Jahr 2008, sie beschäftigt sich mit rechtlichen und gestalterischen Aspekten zum Thema Bauen.

Herr Dr. Feldmann stellte den Referenten kurz vor, und betonte, dass dieser in seiner Eigenschaft als Jurist und Referatsleiter am Bayerischen Gemeindetag, hier zuständig unter anderem für Bauplanungs- und Bauordnungsrecht, geradezu prädestiniert sei, uns die etwas spröde Materie näher zu bringen, denn der genaue Titel des Vortrages war:

Baukultur –Befürworten – Genehmigen – Ablehnen – Gestaltungsmöglichkeiten
Einflussnahme von Gemeinde, Landratsamt oder Denkmalschutz

Zuerst brach Dr. Dirnberger eine Lanze für die Gemeinden, denn aufgrund der kleinteiligen Gemeindestruktur (in Bayern gibt es 2056 Gemeinden) müssen viele Gemeinden mit relativ wenigen Beschäftigten die gleichen Aufgaben lösen wir beispielsweise Großstädte wie München mit ca. 40.000 Beschäftigten.

In seinem Vortrag führte Dr. Dirnberger drei Ebenen aus, und zwar:

  • was bringt das geltende Recht
  • was können Gemeinden entscheiden
  • die Gemeinde als Vorbild

In Ebene 1 beschrieb Dr. Dirnberger das geltende Recht anhand eines Baugenehmigungsverfahrens, bei dem letzten Endes das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde (immer „erster Sieger") die endgültige Entscheidung fällt. Der Prüfungsmaßstab dabei sind immer das Bauplanungsrecht, das Bauordnungsrecht und ggf. Baunebenrecht (z. B. Denkmalschutz). Besonders drastisch beschrieb Dr. Dirnberger das „Verunstaltungsverbot", in dem das ästhetische Empfinden eines gebildeten „Durchschnittsmenschen" zum Maßstab genommen wird. Ein Bauwerk ist dieser Definition zufolge bereits dann verunstaltet, wenn es „Unlust" erregt.

Beim Einstieg in Ebene 2 (Mitwirkung der Gemeinden) fragte Dr. Dirnberger provokativ: „Warum sind unsere Dörfer so schön?" und lieferte auch gleich die Begründung mit: zur damaligen Zeit fehlende Mobilität und damit auch fehlende fremde Einflüsse, das Handwerk, das das Alte bewahrte und natürlich die wirtschaftlichen Verhältnisse, die einen Wildwuchs nicht erlaubten. Die Arbeit der Gemeinden läuft ab im Spannungsfeld

  • von bürokratischen Zwängen, d.h.  immer komplexeren Regelwerken, und 
  • hohem Kommunikationsbedarf (es ist zu sprechen mit Investoren, Trägern von öffentlichen Belangen, Planern, Gutachtern) auch mit dem Gemeinderat, der oft nach den drei Grundsätzen entscheidet „das haben wir schon immer so gemacht"," da könnte je jeder kommen" und "wo kämen wir da hin".

Am Beispiel einer Satzung für die Gestaltung von Dächern in einer Gemeinde erläuterte Dr. Dirnberger, wie schwierig es ist, rechtlich sichere Satzungen zu definieren.

Die Rolle der Gemeinde darf aber nicht – und damit zu Ebene drei – auf ihre Eigenschaft als Behörde reduziert werden, vielmehr hat die Gemeinde auch Vorbildfunktion, nämlich dann, wenn sie selbst als Bauherr auftritt. Dr. Dirnberger zeigte zum Schluss Beispiele gelungener Bauvorhaben von kommunalen Gebäuden.

Herr Dr. Dirnberger verstand es geschickt und anschaulich die - zugegebenermaßen - trockene Materie aufgelockert durch Beispiele aus der Praxis zu vermitteln. Quintessenz war, dass die Rechte des Einzelnen, sofern nicht Gefahr für Leib, Leben und Gesundheit besteht, sehr beschnitten sind. Zur Wahrung und Verbesserung der Akzeptanz seien die Gemeinden gut beraten, den Bürger entsprechend in allen Situationen "mitzunehmen".

Nach einer lebhaften 30 minütigen Diskussion schloss Herr Dr. Feldmann die Veranstaltung um 21:00 Uhr.