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Landesausstellung 2011, "Götterdämmerung, König Ludwig II"

Im Rahmen seines Märzstammtisches konnte der Heimat- und Geschichtsverein Frau Dr. Margot Hamm als Vortragende gewinnen. Sie ist mitverantwortlich für die diesjährige Landesausstellung „Götterdämmerung, König Ludwig II.“, die im Neuen Schloss auf Herrenchiemsee vom 14. Mai bis 16. Oktober anlässlich des 125. Todestages Ludwigs II. stattfinden wird. Frau Dr. Hamm ist, wie Dr. Feldmann in seiner Einleitung feststellte, dem HGV seit Jahren verbunden, war sie doch schon bei der Ausstellung „Die Zeit des Müllner Peter“ im Jahre 1993, und nicht zuletzt bei der Landesausstellung 2008 „Adel in Bayern“ und der Neugestaltung der Führungslinie auf Schloss Hohenaschau im Jahre 2009 beratend tätig.

Der Mythos Ludwig II. ist bis heute lebendig, und er lockte auch am 22. März 2011 ca. 80 Besucher in den vollbesetzten Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Aschau. Frau Dr. Hamm erläuterte das Konzept der Landesausstellung  anhand einer Reihe von Bildern und Dokumenten. Zum Einstieg versuchte Sie die Entstehung des Mythos zu erklären, wobei sich dieser ihrer Meinung nach wohl auf die folgenden drei Faktoren gründet:

  • Ludwig war ein „schöner“ Mensch, wenigstens in jungen Jahren, wenngleich er schon früh seine Zähne verlor, und er sich später nur noch mit Mantel fotografieren ließ.
  • Er war sehr begabt. Sein Lehrer beschrieb das so: „Der Kronprinz ist aufgeweckt und sehr begabt, er hat viel gelernt und besitzt schon jetzt Kenntnisse, die weit über das Gewünschte hinausgehen. Er hat eine so reiche Phantasie, wie ich ihresgleichen noch selten bei einem so jungen Mann angetroffen habe. Aber er ist auffahrend und äußerst heftig. Ein mehr als stark entwickelter Eigenwille deutet auf einen Eigensinn, den er vielleicht von seinem Großvater geerbt hat und der sich nur schwer wird meistern lassen.“
  • Sein früher Tod, dessen Umstände bis heute noch nicht endgültig aufgeklärt sind.

Die Ausstellung selbst ist als „Königsdrama in fünf Akten“ konzipiert.

1. Akt: "Wie Ludwig König wurde".

Die Geburt und die Jugend des Königs bis zum Tod seines Vaters, seine Erziehung und die „Schulzeit“

2. Akt: Wie der König Krieg führen musste und einen Kaiser über sich gesetzt bekam.

Zu Beginn der Regentschaft holte Ludwig Richard Wagner nach München. Dieser musste aber aufgrund einer Intervention des Kabinetts schon ein Jahr später München wieder verlassen. Die Verlobung mit seiner Großcousine Sophie, die im Januar 1867 verkündet wurde, löste er im Oktober 1867 wieder. Ludwig II. musste sich an zwei Kriegen beteiligen (1866 und 1870) in deren Folge sich Ludwig II. gezwungen sah, im „Kaiserbrief“ dem preußischen König  die Kaiserkrone anzutragen. Man vermutet, dass die Zahlungen, die der König aus dem preußischen Welfenfonds erhielt,  damit in ursächlichem Zusammenhang stehen. Durch die Gründung des Kaiserreiches verlor Bayern einen großen Teil seiner Eigenständigkeit, die Armee war in Kriegszeiten dem Kommando des Kaisers unterstellt. Preußen hatte die Mehrheit im Parlament, somit konnte gegen Preußen nichts mehr entschieden werden.

3. Akt: Wie der König seine Gegenwelten schuf“.

Aufgrund der politischen Situation und aufgrund seines eigenen Selbstverständnisses – der König verstand sich als absolutistischer Monarch, der niemandem Rechenschaft schuldig ist – flüchtete sich Ludwig II. in seine Gegenwelten, die er begann, auch selbst zu schaffen. Als Beispiele stehen z. B. der Wintergarten in der Residenz, die Schlösser Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee. Weitere Projekte, die nicht mehr zur Ausführung kamen, waren Schloss Falkenstein, der Byzantinische Palast und der Chinesische Palast. Ludwig II. verstand sich bei seinen Bauvorhaben auch als Motor für technische Neuerung, so wurden beim Bau von Neuschwanstein bereits dampfbetriebene Kräne eingesetzt, Cramer-Klett steuerte zur Wahrung der Stabilität Doppel-T-Träger bei. Ludwig wollte die Bauten nur für sich, und nicht für andere. Er verstand sich als Sachwalter des „Schönen“. So schrieb er an seine Cousine Elisabeth von Österreich: „Die Menschen sollen wissen, dass hier das Schöne entstanden ist nur um der Schönheit willen, zwecklos das Schöne, Sissi. Einen muss es doch geben im Land, der nicht nur daran denkt, was ihm nützt, was ihm Vorteile bringt – nun, wenn es niemand andrer ist, muss es eben der König sein.“

4. Akt: „Wie Ludwigs Königreich modern wurde“.

Frau Dr. Hamm sparte diesen Teil bewusst aus, um den Teilnehmern den Anreiz zum Besuch der Ausstellung zu bieten. In diesem Akt werden vor allem die zukunftsweisenden Erfindungen thematisiert, die Bayern an die Spitze des Fortschrittes brachten.

5. Akt: „Wie Ludwig starb und zum Mythos wurde“.

Bereits Ende der 1860er Jahre wurden Vermutungen über den Geisteszustand von Ludwig II. laut. Sein Bruder Otto wurde aufgrund seiner Geisteskrankheit im Jahre 1878 entmündigt und unter ärztlicher Behandlung im Schloss Fürstenried eingesperrt. Ludwig II. selbst lebt nur noch in der Nacht, er kommuniziert nicht mehr, auch mit den Ministern nur noch schriftlich über „Kammerbefehle“. Seine Bauten verschlingen Unsummen, der Schuldenberg wächst, im Jahre 1880 sind es bereits 8 Millionen Mark. Einen Tilgungsplan des Bayerischen Finanzministers lehnt Ludwig ab, da er die Bedingungen, nämlich seine Bautätigkeit sofort einzustellen, nicht akzeptieren konnte. Deshalb wurde mit Nachdruck die Entmündigung Ludwigs II. betrieben. Die handelnden Personen waren neben Luitpold, dem Onkel, der Minister Johann von Lutz und Bernhard von Gudden, der Psychiater. Da Ludwig seine Bautätigkeit aus der Privatschatulle finanzierte – Staatsvermögen und Privatvermögen der Wittelsbacher waren sein 1818 getrennt – befürchtete Luitpold, dass der Familie Wittelsbach die finanzielle Grundlage entzogen würde. Johann von Lutz war der mächtigste Politiker in Bayern, der, nachdem er sich bei Luitpold rückversichert hatte, dass er auch bei seiner Regentschaft im Amt bleiben würde, Bernhard von Gudden beauftragte, ein Gutachten über den Geisteszustand des Königs anzufertigen. Von Gudden stellte in seinem Gutachten fest, der König sein „seelengestört“ und er leide an „Paranoia“. Die „freie Willensbestimmung“ sei ausgeschlossen und der König sei an der Ausübung der Regierung „auf Lebenszeit“ verhindert. Dies gab die gesetzliche Handhabe, den König am 9. Juni 1886 abzusetzen. Nach einem misslungenen Versuch wird der König am 11. Juni 1886 gefangen genommen und nach Schloss Berg gebracht. Unter mysteriösen und bis heute ungeklärten Umständen sterben König Ludwig II. und Bernhard von Gudden am 13. Juni 1886 im Starnberger See. Auch anhand der  Tatortskizze, die zwei Tage später angefertigt wurde, können die Umstände nicht abschließend geklärt werden.

Frau Dr. Hamm verstand es vorzüglich, die Zuhörerschaft mit ihrem lebendigen Vortrag zu fesseln und „Lust“ auf den Besuch der Ausstellung machen. Die präsentierten Bilder ließen den Blick auf einige bisher noch nicht bekannte Facetten im Leben Ludwigs II zu. Nach einer lebhaften Diskussion beendete Herr Dr. Feldmann die Veranstaltung um ca. 21 Uhr.

Offizielle Bilder der Pressestelle des Hauses der Bayerischen Geschichte