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Marterl erinnert an Mordtat in Weidachwies von 1901, Restaurierung durch Heimat- und Geschichtsverein

marterl-am-mordahorn-13-06-11Der „mächtige Ahornbaum rechts der Straße von Weidachwies nach Niederaschau“ (Zellerhornstraße, Einmündung Cramer-Klett-Straße), von dem Max Ziegmann in seinem Buch „Aschau wie es früher war“ erzählt, der musste schon vor Jahren gefällt werden. Das Wegmarterl jedoch steht nun schon bald 110 Jahre immer noch an gleicher Stelle; nur dass der Weg nicht mehr wie ursprünglich direkt an ihm vorbei führt. Es hat seinen Platz ein paar Meter in der eingezäunten Wiese am Beginn des Lärchenweges und ist mit Stacheldraht gegen die neugierigen Kühe geschützt. Nach wetterbedingten Schäden ließ Baron Ludwig Benedikt von Cramer-Klett, dem der Grund dort gehört, das ursprünglich aufgestellte entfernen und ein künstlerisch gefertigtes errichten. Der „Zahn der Zeit“ nagte natürlich auch an diesem schmiedeeisernen und ließ das von einem Rimstinger Maler geschaffene Bild verblassen. Die Kühe taten ein Übriges, so dass es immer wieder gerichtet werden musste. Bernd Reiter und Günter Mayer wendeten schon vor 10 Jahren viel Zeit auf, um Schäden zu beheben und dadurch das Andenken der an dieser Stelle geschehenen Mordtat zu erhalten. Letzten Herbst ließ der Heimat- und Geschichtsverein das stark beschädigte Denkmal abbauen und während der Wintermonate von Thedy Metzler (Schmiedearbeiten) und Wolfgang Fischer (Malerei) herrichten und restaurieren. Jetzt montierte es der gemeindliche Bauhof wieder an seinen an gestammten Platz, unter dem inzwischen prächtig gewachsenen neuen Ahorn.

Zu diesem Anlass noch einmal die Geschichte, die auch im Quellenband XVII der Aschauer Chronik nachzulesen ist.

„Mord am Horn-Baum“ von Aschau
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde in Aschau die „Korrektion“ der Prien durchgeführt. Aus diesem Grunde hielten sich längere Zeit hunderte in- und ausländische Arbeiter im Ort auf. An Kirchweih 1901, genau am 14. Oktober, gab es eine Rauferei im da-maligen Wirtshaus in Weidachwies (heute Zellerhornstraße 62): Dort trafen sich Bauarbeiter und Einheimische nach getaner Arbeit, um Kirchweih zu feiern. Es ging gerade hoch her im Wirtshaus, als es zwischen dem Forstgehilfen Lorenz Huber aus Hohenaschau und einem Erdarbeiter aus Kolbermoor zu einem heftigen Streit kam. Huber lief aus der Gaststätte, sein Gegner holte ihn ein und erstach ihn draußen unter dem Baum mit seinem Messer.
Wie es in den heimatkundlichen Aufzeichnungen von Max Ziegmann, im Buch „Aschau, wie es früher war“ heißt, erhielt der Täter unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Therese Huber aus Bach, eine Enkelin von Lorenz Huber, wusste aufgrund von Erzählungen in ihrer Familie zu berichten, dass der Täter drei oder vier Kinder hatte und auch deswegen ein milderes Urteil erhielt. Der Mörder aus Kolbermoor verblutete einige Jahre nach seiner Haftentlassung selbst durch einen Messerstich.
Nach einigen Jahren schien über die Mordtat „Gras gewachsen“ zu sein. Da kam ein zur Sommerfrische in Aschau weilender Arzt aus Westfalen am „Mord-Baum“ vorbei. Dort hatte er plötzlich „das zweite Gesicht“. Ziegmann erzählt: „Er sah unter dem Baume einen Mann in Jägeruniform stehen, der ihn mit starren bittenden Augen unaufhörlich ansah, so dass der Arzt seinen Wagen nur in ganz langsamer Fahrt an der Erscheinung vorübersteuern konnte.“ Dieser forschte unter dem Eindruck dieses Ereignisses nach, ob an dieser Stelle vielleicht eine Untat geschehen sein könnte. Bei weiteren Recherchen stellte sich heraus, dass der ermordete Lorenz Huber und der Arzt zusammen in München in der gleichen Kompanie gedient hatten. In treuer Kameradschaft ließ der Arzt ein Marterl errichten und Seelenmessen lesen.

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